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09.March.2012

Ämter mit Einfluss: Wie Frauen religiöse Institutionen Österreichs prägen

 

Die Zahl der Regierungschefinnen weltweit ist im Jahr 2012 immer noch niedrig, Frauen in einflussreichen Positionen jeglicher Art sind nach wie vor die Ausnahme.

 

 

Wie sieht es in den Gremien und Strukturen religiöser Gruppierungen in Österreich aus? Es zeigt sich: Nach einflussreichen Frauen muss man in den religiösen Institutionen des Landes immer noch suchen.

In der ersten Reihe stehen sie nicht, die Frauen mit Einfluss in der römisch-katholischen Kirche: Es stehen ihnen schließlich nur weltliche Posten offen. Dringt man aber etwas weiter in die Gremien vor, stößt man doch auf einige weiblich besetzte Ämter. So hat etwa das Pastoralamt der Erzdiözese Wien mit Veronika Prüller-Jagenteufel eine Frau als Leiterin. Der Ordinariatskanzlei der Diözese Innsbruck steht Gudrun Walter vor, in der gleichen Position in der Erzdiözese Salzburg arbeitet Elisabeth Kandler-Mayr. Die Aufgaben der Kanzlerin sind vergleichbar mit denen eines Notars. Als Finanzkammerdirektorin der Erzdiözese Wien sitzt Brigitta Klieber an einer der wichtigsten Schaltstellen innerhalb der katholischen Kirche, die Leitung der Wirtschaftsstelle ist mit Angelika Kornfeld ebenfalls in weiblicher Hand.
 

Katholische Kirche: Schlüsselpositionen fest in Männerhand

Schulamtsleiterin Christine Mann führt eines der umfangreichsten Ressorts der Kirche in Wien. Anfangs habe sie es nicht leicht gehabt, als Frau ein so wichtiges Amt auszufüllen, sagt Mann: „Es gibt ein bestimmtes Bild von einer Frau. Dass eine qualifizierte Frau selbstbewusst und kompetent ihre Meinung vertritt, daran müssen sich erst viele Männer gewöhnen.“
 

„In der Kirche weiß man, woran man ist“

Dies sei allerdings ein gesamtgesellschaftliches Problem, meint Mann. Auch in der Regierung und den Ministerien seien die meisten Schlüsselpositionen fest in Männerhand. Persönlich habe sie sich jedoch in der katholischen Kirche durchaus gefördert gefühlt, man habe ihr als Mutter zweier Kinder keine Steine in den Weg gelegt. Zumindest in der Erzdiözese Wien begegne man Frauen ebenso wertschätzend wie Männern. Und: „In der Kirche weiß man, woran man ist. Und die Hauptprobleme, wie ich sie erlebt habe, wären mit der Priesterweihe von Frauen noch lange nicht gelöst.“
 

Zahl der Frauen in Gremien steigt

Die Liste der Frauen, die in den Gremien der katholischen Kirche ein gewichtiges Wort mitzureden haben, wird aber doch immer länger. Als Diözesankonservatorin ist Elena Holzhausen in der Erzdiözese Wien für kirchliche Kunst und Denkmalpflege verantwortlich, Rita Kupka-Baier ist Leiterin der Kontrollstelle der Bischofskonferenz. Die Geschäftsführerin der St. Elisabeth-Stiftung der Erzdiözese, Melitta Kraus, ist in dieser Funktion gleichzeitig mit der Leitung der Ehe-, Familien- und Lebensberatungsstelle betraut. Das Diözesanarchiv in Wien schließlich führt mit Annemarie Fenzl ebenfalls eine Frau.
 

Immer mehr evangelische Pfarrerinnen

Wenn es eine Religionsgemeinschaft mit „weiblichem Gesicht“ gibt, dann ist es wohl die evangelisch-lutherische Kirche. Der Anteil der Pfarrerinnen steigt seit Jahren kontinuierlich an, derzeit hält er bei einem Drittel. Auch die Akzeptanz in der Bevölkerung sei deutlich gestiegen, sagt Pfarrerin Gabriele Lang-Czedik, oft werde für eine Trauung oder eine Beerdigung sogar direkt nach einer Frau gefragt. In Wien sitzt gar eine Mehrheit an Frauen (52 Prozent) in der Pfarrgemeindeleitung (Presbyterien). Ganz ohne Politik ist das freilich nicht gelungen: Eine Gleichstellungskommission kümmert sich um Probleme wie Diskriminierung, und die Kirchenverfassung wurde in gendergerechter Sprache umformuliert.
 

Es braucht „Frauen, die das auch wollen“

Doch in den hohen Ämtern wird auch in der evangelischen Kirche die „Gläserne Decke“ für Frauen spürbar. Um sie zu durchbrechen, brauche es allerdings auch Frauen, die das auch wollen, sagt Hannelore Reiner, die als Personalreferentin der evangelischen Kirchen zu den wenigen Frauen in wirklich einflussreichen Positionen gehört. Dazu gehöre auch manchmal, sich auf einen Ortswechsel einzulassen und viel Zeit zu investieren. Sie selbst habe es anfangs nicht leicht gehabt als erste Frau in einen „Männergremium“: „ Mit der Kirchenleitung war es schwierig. Ich habe mir meine Position schon erarbeitet“, sagt Reiner.
 

Einzige Superintendentin nimmt Abschied

Ganz allein ist sie im Oberkirchenrat nun nicht mehr: Gerhild Herrgesell ist in für ehrenamtliche Tätige in den Presbyterien zuständig. In vier Diözesen sind den – derzeit durchwegs männlichen – Superintendenten Superintendentialkuratorinnen zur Seite gestellt, die mit diesen gleichberechtigt arbeiten. Derzeit hat die evangelisch-lutherische Kirche auch noch eine Superintendentin: Luise Müller, die für die Diözesen Salzburg und Tirol zuständig ist, nimmt allerdings im Sommer ihren Abschied.
 

„Bei Frauenthemen eingeordnet“

Vor ihrer Tätigkeit als Frauenreferentin des Obersten Rates der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich (IGGiÖ), war Carla Amina Baghajati für die Öffentlichkeitsarbeit der IGGiÖ zuständig. Doch bereits damals sei sie, vor allem von nichtmuslimischer Seite, oft „bei den Frauenthemen eingeordnet“ worden, sagt Baghajati. Es habe ihr gefallen, dann auch in anderen Angelegenheiten zu sprechen. Eine gute Berufsausbildung sei gerade für muslimische Mädchen wichtig, um später einmal auf eigenen Füßen stehen zu können, auch wenn man bei ihnen zunächst eher an Heirat denke, so die Frauenreferentin.
 

Gute Ausbildung für junge muslimische Mädchen

Zeynep Elibol ist Direktorin der Islamischen Fachschule für Bildung in Wien. Sie setzt sich für Chancengleichheit für Frauen und Mädchen ein. Ihre Zielgruppe sind vor allem Menschen mit Migrationshintergrund, und hier besonders die jungen Mädchen. Amena Shakir leitet den Privaten Studiengang für das Lehramt für Islamische Religion an Pflichtschulen. Amani Abuzahra, Integrationsbeauftragte und Stellvertretende Kassiererin des Obersten Rates der IGGiÖ, hat eine Stimme im Schurarat, dem Zentralgremium der IGGiÖ, ebenso wie Nadire Mustafi, die im Rat als Generalsekretärin fungiert.
 

Männer sollen „Platz machen“

Es sei noch viel zu tun, damit Frauen mehr Einfluss bekämen, sagt Amani Abuzahra. Wichtig sei ihr, dass die österreichische Gesellschaft sich daran gewöhne, dass Muslime – und muslimische Frauen – im Alltag präsent seien, so die Integrationsbeauftragte. Die Frauen müssten sich gegenseitig unterstützen, die Männer sollten ihnen „Platz machen“. Wer Macht habe, behalte sie eben gern, meint Abuzahra. Um das zu ändern, müsse man die Strukturen ändern – die muslimischen wie auch die gesamtgesellschaftlichen.

 

(Johanna Grillmayer/religion.ORF.at)

Quelle: religion.orf.at.

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