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30.June.2012

Islam in Österreich: Respektsbekundungen bei Festakt

 

Bild: APA

Für Muslime-Präsident Sanac ist das Jubiläum der staatlichen Anerkennung des Islams in Österreich ein "schöner, freudiger und wichtiger Anlass".

 

Gegenseitige Respektsbekundungen sowie Appelle für ein weiteres friedliches Zusammenleben hat es Freitagabend bei der Feier "100 Jahre Österreichisches Islamgesetz" im Wiener Rathaus gegeben. Fuat Sanac, Präsident der islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich (IGGiÖ) betonte in seiner Rede die Vorbildhaftigkeit des "Österreichischen Modells" der Anerkennung. Bundespräsident Heinz Fischer wiederum die Wichtigkeit der in Österreich geltenden Rechtsnormen, was ein Miteinander möglich mache.

Ein "schöner, freudiger und wichtiger Anlass" ist für Sanac das Jubiläum der staatlichen Anerkennung des Islams in Österreich. Das Österreichische Modell sei geprägt von gegenseitiger Wertschätzung, der Islam würde von den meisten Menschen als Bereicherung und nicht als Gefahr gesehen. Es bestehe auch kein Grund zur Angst - "auch wenn manche sich das wünschen und manche Kräfte aus diesem irrealen Anlass Kapital schlagen möchten", so Sanac.

Imame-Ausbildung in Österreich

Die IGGiÖ sei das Bindeglied zu den staatlichen Institutionen, meinte deren Präsident: "Die Zusammenarbeit war nicht immer ohne Ecken und Kanten aber immer getragen von gegenseitigem Respekt." Abermals äußerte Sanac den Wunsch nach einer Novellierung des Islamgesetzes sowie einer Imame-Ausbildung in Österreich und einer islamisch-theologischen Fakultät, um eine Imame-Ausbildung in Österreich zu ermöglichen.

Kein Platz für Aggression und Feindseligkeit

Fischer betonte nicht zum ersten Mal, dass die Religionsgemeinschaften durch ihre öffentlich-rechtliche Stellung, "die mit der Anerkennung verbundenen Pflichten, insbesondere die im Staat geltenden Gesetze, respektieren und anerkennen müssen". Für eine Islamische Glaubensgemeinschaft könne dies durchaus eine Herausforderung sein, allerdings habe sie sich diesen Herausforderungen gestellt. Aggression und Feindseligkeit gegen Menschen mit anderer Religion erteilte der Bundespräsident eine Absage, er appellierte an einen friedlichen und respektvollen
Umgang miteinander.

Auch Vizekanzler Michael Spindelegger (ÖVP) erteilte jenen eine Absage, die "aus politischen Gründen versuchen, einander aufzuhetzen". "Wir brauchen nicht den Gegensatz, sondern ein Miteinander, ein friedliches Miteinander." Die Schaffung des Islamgesetzes vor 100 Jahren sei "sehr mutiger Schritt, ein Schritt mit Weitsicht" gewesen.

Kultusministerin Claudia Schmied (SPÖ) erinnerte an die in Österreich herrschende Trennung von Staat und Religion sowie die im Staatsgrundgesetz verankerte Freiheit von Wissenschaft und Kunst. Zu groben Konflikten zwischen etwa dem Islam und Kunst sei es in Österreich allerdings noch nie gekommen. Und: "Bildung ist wohl das wirksamste Instrument gegen Radikalisierung", meinte sie.

"Die Religion sollte auch beim Zusammenleben immer ein Teil der Lösung sein und sollte nie als Teil des Problems gesehen werden", appellierte wiederum Integrationsstaatssekretär Sebastian Kurz (ÖVP) an die Anwesenden. Österreich habe allerdings bereits eine gewisse Tradition, was die Zusammenarbeit zwischen Staat und den unterschiedlichen Religionen betrifft.

Gästeliste des Festakts

Auch internationale Gäste waren zum Festakt ins Rathaus gekommen: Mustafa Ceric, Großmufti von Bosnien und Herzegowina, erinnerte die Muslime daran, die Gesellschaft aktiv mitzugestalten.

Der Präsident des Amtes für religiöse Angelegenheiten der Türkei, Mehmet Görmez, meinte, Europas Werte würden durch mancherorts islamfeindliche Tendenzen auf die Probe gestellt. Trotzdem werde man diesen Test erfolgreich bestehen. Der Gastgeber des Abends, Wiens Bürgermeister Michael Häupl (SPÖ), war erkrankt.

 

(APA)

Quelle:http://diepresse.com/home/panorama/integration/1261123/Islam-in-Oesterreich_Respektsbekundungen-bei-Festakt

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