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07.May.2014

Frau im Islam

 

Dem der recht handelt - sei es Mann oder Frau - und gläubig ist, werden Wir gewiss ein gutes Leben gewähren; und Wir werden gewiss solchen Leuten ihren Lohn nach der besten ihrer Taten bemessen.“ (Koran 16:97)
 

 

Der Rang, der muslimischen Frauen zukommen sollte, musste zur Zeit des Propheten Muhammad geradezu revolutionär wirken - in einer Zeit, da manche Stämme neugeborene Mädchen im Sand vergruben und Frauen vererbt wurden.

An diese Aufbruchstimmung suchen moderne muslimische Frauen mit ihrer Forderung einer weiblichen Perspektive in der Interpretation anzuknüpfen. Denn  vor allem unter dem Titel „Schutz der Frau“ wurden im Laufe der Geschichte immer wieder einengende und bevormundende Interpretationen vorgenommen, wie sie patriarchal orientierten Gesellschaften generell zu Eigen sein scheinen. Theologische Argumente können wirksam Bewusstsein für Frauenrechte bilden, vor allem in der nötigen Differenzierung zwischen religiösem Anspruch und frauen- benachteiligenden und dem Geist des Islam widersprechenden Traditionen.

Stellung der Frau

Mann und Frau sind vor Gott gleich. Gleich sind auch die Verpflichtungen durch die „fünf Säulen“ und der ethische Anspruch, sich für das Wohl der Gesellschaft einzusetzen.  Der Koran unterstreicht die Gleichwertigkeit: „Die einen von euch sind von den anderen“ (3:195). Mann und Frau sind aus gleicher Substanz geschaffen (4:1). Zu gleichen Teilen sind sie Adressaten im Koran, wenn es immer wieder „ihr gläubigen Männer, ihr gläubigen Frauen“ heißt. Beiden verheißt  Gott als Lohn für ihr Wirken das Paradies.

Dass der Islam keine Hierarchie zwischen Mann und Frau setzt, zeigt der Auftrag an beide, gegenseitige Verantwortung zu übernehmen, freundschaftlich miteinander umzugehen (9:71). In der Ehe hat Gott „Liebe und Barmherzigkeit“ zwischen sie gesetzt (30:21). Die Eheleute sind einander „wie eine Decke“ (2:187).

Frauenrechte

Eigene Rechtspersönlichkeit, Recht (und religiöse Verpflichtung!) auf Bildung, Recht auf die Wahl des Ehepartners und Beibehaltung des eigenen Familiennamens in der Ehe, die Möglichkeit der Scheidung (etwa bei grober Behandlung, unerfülltem Geschlechtsleben, aber auch „wenn die Chemie nicht stimmt“) und auch Wiederverheiratung, ökonomische Unabhängigkeit: Recht auf eigenen Besitz und dessen selbständige Verwaltung, voller Unterhaltsanspruch gegenüber dem Ehemann, auch im Falle eines eigenen Einkommens, das nicht für das Familienauskommen aufgewendet werden muss, sondern allein der Frau zur Verfügung steht, Möglichkeit der Familienplanung, Recht auf Erbschaft, Partizipation am sozialen, wirtschaftlichen, kulturellen und politischen Leben der Gemeinschaft.

Aber…?

Mehrehe:
Wird im Koran im Zusammenhang mit der Versorgung von Witwen und Waisen erwähnt: Bevorzugt ist eine einzige Frau zu ehelichen, schon aus Gründen der Gerechtigkeit, nämlich der geforderten Gleichbehandlung der Frauen (4:3), die Islamische Glaubensgemeinschaft in Österreich nimmt nur monogame religiöse Eheschließungen vor.

Schläge:
Es gibt keine Legitimation Frauen zu schlagen – Gewalt wäre ein Scheidungsgrund. Die angebliche Belegstelle 4:34 kann aus vielfältigen Gründen, linguistisch, hermeneutisch usw., nicht als „Entschuldigung“ gelten und ist auch keine Rechtfertigung. Das Wort „daraba“ wird an anderen Stellen nicht mit „schlagen“ übersetzt. Das Vorbild des Propheten Muhammad zeigt, dass er nie eine Frau schlug und dies scharf kritisierte.

„Mindere Stellung“?:
Buben dürfen Mädchen gegenüber nicht bevorzugt werden. Im Gegenteil ist das Modell „Empowerment“ für Mädchen aus den Quellen abzuleiten, gerade um Benachteiligungen zu überwinden.

„Harmful traditions“ – gegen die Religion

Zwangsehe
: Keine Grundlage im Islam, weil die freie Zustimmung in die Ehe durch Mann und Frau Bedingung für einen gültigen Ehevertrag ist.

Ehrenmord:
Mord ist als Verbrechen eine große Sünde. Selbstjustiz ist verboten. Der Gedanke von Kollektivschuld widerspricht dem Prinzip der Eigenverantwortlichkeit im Islam. Und nicht zuletzt: Der Ehrbegriff an sich ist viel mehr in Richtung individueller Menschenwürde zu sehen, als gekoppelt an ein bestimmtes Verhalten von Mitgliedern eines gesellschaftlichen Kollektivs.

FGM:
Weibliche Genitalverstümmelung ist gegen den Islam. Als vorislamische Praxis ist sie vor allem in Teilen Afrikas noch anzutreffen. Sie verletzt das islamische Recht des Menschen auf körperliche Unversehrtheit und auf ein befriedigendes Sexualleben in der Ehe.

Heute zeigt sich immer stärker: Wird auf dem Boden des Islam argumentiert, lässt sich dort, wo unter falschem Vorschieben der Religion Unrecht an Frauen begangen wird, wirksam eine Änderung der Einstellung bewirken. Erfolge im Kampf gegen FGM durch Einbeziehung muslimischer MeinungsmacherInnen sind ein messbares Beispiel.

Einige Frauen im Koran

Eva (Havva):
„Mutter“ aller Menschen. Gemeinsam mit Adam Schuld an der Übertretung von Gottes Gebot im Paradies, Reue und Verzeihung Gottes, demnach keine „Erbsünde“ im Islam, Eva, bzw. die Frau an sich nicht potentielle Verführerin des Mannes

Maria (Maryam):
Wuchs im Tempel auf und erlangte so theologische Bildung, Mutter des Propheten Jesus (Isa), genaue Schilderung des Geburtserlebnisses im Koran (Sure 19) Wunder der jungfräulichen Geburt durch Schöpferwillen Gottes

Gattin des Pharao:
Rettete den Propheten Moses (Musa) gegen den ausdrücklichen Befehl ihres Mannes, wird dafür im Koran gelobt.

Role Models – Weibliche Vorbilder

Prominente Frauen wurden in der Frühzeit des Islam richtungweisend für das Bild einer voll an der Entwicklung des Gemeinwesens beteiligten Frau. Die Frauen des Propheten bieten als „Mütter der Gläubigen“ bis heute vielfältige Rollenbilder. Sozial-karitativ orientiert bis intellektuell lassen sie sich nicht auf „Hausfrau und Mutter“ reduzieren. Die erste Frau des Propheten Muhammad Chadidscha war zuerst seine Arbeitgeberin - eine fünfzehn jahre ältere reiche Kauffrau, die ihm einen Heiratsantrag machte. Weitere Beispiele sind die jüngste Gattin des Propheten Aisha, von der man wegen ihrer herausragenden Rolle in der Überlieferung sagt, die „Hälfte der Religion“ gehe auf sie zurück - oder seine Tochter Fatima, die in ihrer Spiritualität und Gelehrtheit großen Einfluss hat.

Kopftuch

Frausein im Islam mit Kopftuchtragen gleichzusetzen wäre ein arges Missverständnis. Das Kopftuch ist ein Kleidungsstück, das im Koran in 24:31 und 33:59 thematisiert wird. Es gehört daher zur Glaubenspraxis, ist aber keine „Säule der Religion“. Durch seine Sichtbarkeit wurde das Kopftuch in der Außenbetrachtung zum Symbol des Islam, ohne muslimisch je als solches betrachtet zu werden. Problematisch sind Ideologisierungen des Kopftuchs von Befürwortern wie Gegnern. Denn dadurch wird der schlichte Wunsch, den Glauben leben zu können überlagert von engen Begriffen wie Zeichen der Sittlichkeit hier bis Symbol der Unterdrückung dort. Wenn noch dazu mit dem Kopftuch Politik gemacht werden soll, ist es umso wichtiger auf das Selbstbestimmungsrecht der Frauen zu drängen. Die Möglichkeit einer eigenen mündigen Entscheidung wirkt entkrampfend.

Weiterführende Literatur:

Angelika Vauti/Margot Sulzbacher (Hrsg.).
Frauen in islamischen Welten. Frankfurt 1999 (Brandes und Apfel) - ISBN: 3-86099-186-8

Irmgard Pinn/Marlies Wehner.
EuroPhantasien. Die islamische Frau aus westlicher Sicht. Duisburg 1995
(Duisburger Institut für Sprach- und Sozialforschung) - ISBN 3-927388-49-1

Monika Höglinger. Verschleierte Lebenswelten. Zur Bedeutung des Kopftuches für muslimische Frauen.
Wien 2002 (Edition Roesner) - ISBN 3-902300-03-5

Murad Wilfried Hofmann. Der Islam.
Kreuzlingen, München, Hugendubel 2001 (Diederichs kompakt) - ISBN 3–7205-2191-5

Christina von Braun, Eva Mathes. Verschleierte Wirklichkeit. Die Frau, der Islam und der Westen.
Berlin 2007 (Aufbau Verlag) - ISBN 978 3 351 02643 1

Webtipps:
www.derislam.at
www.islaminitiative.at

 

 

Carla Amina Baghajati

Frauenbeauftragte der Islamischen Glaubensgemeinschaft, Oberster Rat

 

 

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