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07.May.2014

Was ist Dschihad?

 

Jihad oder Dschihad (je nach Umschrift aus dem Arabischen): von der Wortwurzel jahada, sich bemühen, anstrengen, anspannen, einsetzen (mit aller Kraft), ermüden.

 


Im Arabischen ebenso wenig wie das Wort „Krieg“ (al-Harb) mit dem Attribut „heilig“ (muqaddas) zu kombinieren – eine wörtliche Rückübersetzung ergäbe Nonsens.

Gemeint ist im muslimischen Kontext die Anstrengung auf dem Weg Gottes, die unter Berufung auf eine Aussage des Propheten Muhammad in zwei Kategorien geteilt wird, den großen und den kleinen Dschihad.  Analog zum Ausdruck: „den inneren Schweinehund überwinden“ bedeutet der große Dschihad die beständige Herausforderung, sich trotz Mühe für den rechten Weg im Sinne des Allgemeinwohls zu entscheiden. Der kleine Dschihad betrifft das Eintreten für die Gerechtigkeit im Zustand ihrer Abwesenheit (2:190, 4:90, 42:39) und kann dann auch den bewaffneten Einsatz zur Abwehr eines laufenden oder direkt bevorstehenden Angriffs einschließen. Diesen kann nur der Staat, nicht eine Privatperson ausrufen.

Im täglichen Leben reicht der „große Dschihad“ für Muslime in viele Bereiche des Lebens hinein, in denen nach persönlichem Einsatz für das Gute verlangt wird. Dazu gehört die Anstrengung sich für humanitäre Hilfe einzusetzen ebenso wie das Streben nach Bildung oder das Verdienen des Lebensunterhaltes auf anständige Weise und zum Wohl der Allgemeinheit. „Dschihad“ ist daher für Muslime mit ganz anderen Assoziationen verbunden, als dies in der Außensicht, die eher einen kriegerischen Aspekt sieht, der Fall ist.

Bewaffnete Verteidigung ist im Lichte der ersten Offenbarung dazu in 22.39 ff zu sehen: „Erlaubnis ist denen gegeben, die bekämpft werden – weil ihnen unrecht getan wurde…“ Unmittelbar darauf heißt es: „Und hätte Allah nicht die einen Menschen durch die anderen abgewehrt, so wären Klöster, Kirchen, Synagogen und Moscheen … bestimmt zerstört worden“. Dass die Gotteshäuser der verwandten Buchreligionen in einem Zuge mit den eigenen als schützenswert genannt werden, beleuchtet wie auch das berühmte „Es gibt keinen Zwang im Glauben“ (2:256), dass die Konstruktion eines Befehls zum Glaubenskrieg unstatthaft ist. In 4:90 heißt es: „Wenn sie sich jedoch von euch fernhalten, ohne euch zu bekämpfen, und euch Frieden anbieten, gibt euch Allah keine Erlaubnis, gegen sie vorzugehen." Kampf soll sich prinzipiell nur auf die Verteidigungssituation beziehen.

Wohl findet das Wort „Dschihad“ in 25:52 Verwendung, um die Auseinandersetzung mit den Leugnern Gottes zu kennzeichnen, allerdings in argumentativem Sinne durch die Kraft des Korans, nicht durch Krieg.

Manipulierendes verkürzendes Zitieren und Ignoranz darüber, dass sowohl der Hintergrund der Offenbarung eines Koranverses, als Parallelstellen bei der Interpretation berücksichtigt werden müssen, sind gefährlich. Krieg ist im Koran keineswegs verherrlichend dargestellt. Die zerstörerischen Folgen werden nicht ausgeblendet, sondern negativ beleuchtet. Muslime sind im Verteidigungsfall Regelungen zum Schutz von Zivilbevölkerung und Umwelt unterworfen.

Jede kriegerische Handlung ist nach 8:60, 61 bei Verhandlungsbereitschaft einzustellen. Verteidigung muss im Rahmen der Verhältnismäßigkeit bleiben (2:194). Das bekannte „Auge um Auge, Zahn um Zahn“ erfährt im Koran in 5:45 den wichtigen Zusatz, dass „mildtätiges Vergeben eine Sühne sei“. Dazu kommt die Bevorzugung eines Weges der Verzeihung: „…Wer jedoch vergibt und Frieden schließt, dessen Lohn ist bei Allah.“ (42:40)

Den Begriff des Dschihad nicht in Geiselhaft missbräuchlicher Verwendung zu ersticken, bedarf auch eines Dschihad von muslimischer Seite. Dies betrifft sowohl die selbstkritische Aufarbeitung der älteren Geschichte und der Moderne, als auch die theologische Akzentuierung auf den Aspekt intellektueller Auseinandersetzung und Zivilcourage. „Der größte Dschihad ist ein wahres Wort gegen einen Tyrannen.“ So definierte der Prophet Muhammad den Einsatz für die gute, gerechte Sache.

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