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15.September.2014

Missbrauch des islamischen Glaubensbekenntnisses durch IS abzulehnen

 

Verbot ihrer Fahne wäre aber kontraproduktiv

IS, die selbsternannte Terrorgruppe „Islamischer Staat“ missbraucht Inhalte und Zeichen, die für alle Muslime höchste spirituelle Bedeutung haben und den Kern des Glaubens berühren. Dies trifft auch auf ihre Fahne zu: Ganz oben in den drei Reihen auf der schwarzen Flagge ist das Glaubensbekenntnis لا إله إلا الله (Es gibt keinen Gott außer Gott). In der zweiten Zeile befindet sich das Siegel des Propheten mit dem Inhalt محمد رسول الله Muhammad Gesandter Gottes, was damit das Glaubensbekenntnis komplettiert. Erst in der dritten Zeile steht الدولة الإسلامية also „Islamischer Staat“. Dieser Missbrauch stellt eine nicht zu tolerierende Anmaßung dar. Über den von IS begangenen Gräueltaten darf nicht das Glaubensbekenntnis des Islams und Siegel des Propheten wehen.


Trotzdem steht die Islamische Glaubensgemeinschaft einem Gesetzesvorstoß äußerst skeptisch bis ablehnend gegenüber, dieses IS Zeichen wie oben abgebildet generell verbieten zu wollen. Einzig die Kombination mit der dritten Reihe الدولة الإسلامية oder diese alleine (siehe Abbildung) kann als Werbung oder Verherrlichung einer terroristischen Organisation verboten werden. Dafür braucht es unseres Erachtens kein neues Gesetz, da ohnehin die Werbung für verbotene Terrororganisationen und die Verherrlichung ihrer Taten unter Strafe steht.

Da es sich bei den ersten beiden Zeilen klar um einen Missbrauch handelt, während dieselben Zeichen über Jahrhunderte vielfältig als Dekoration religiöser Literatur etc. verwendet wurden, würde man das Kind mit dem Bade ausschütten. Der Kontext von Grausamkeit und Menschenrechtsverletzungen, in dem IS diese Zeichen verwendet, ist zu verurteilen, nicht die Zeichen der ersten zwei Zeilen selbst. Diese hängen womöglich in vielen Wohnungen von Muslimen, ohne dass diese etwas mit IS zu tun haben wollen.

Muslime wehren sich dagegen, dass ihnen kostbare Zeichen wie auch theologische Fachbegriffe (Dschihad) durch IS und andere Extremisten in Verruf geraten. Dies gelingt vor allem über Aufklärung und Bildung, auch der andersgläubigen Öffentlichkeit. Denn es wäre für alle fatal, wenn die Deutungshoheit dieser Zeichen und Begriffe an die Terroristen abgegeben würde. Hier muss angesichts der dominanten Schlagzeilen, die die Extremisten schreiben, massiv gegengesteuert werden. Sonst drohen die zahlenmäßig weitaus überlegenen Stimmen der Mäßigung und des Friedens der Mehrheit der Muslime unterzugehen.

Zusätzlich wäre ein Verbot aller drei Zeilen der Fahne auch aus nüchternen strategischen Erwägungen kontraproduktiv: Ein solches Verbot würde der Propagandamaschinerie der IS-Terroristen willkommene Nahrung geben. Sie könnten dieses umkehren in den „Beweis“, dass die „Ungläubigen“ nun sogar die Schahada, das Glaubensbekenntnis der Muslime verboten hätten. Ihre Anhänger lukrieren sie ja vor allem aus Kreisen, die sich als „Opfer des Westens“ sehen und nun „zurückschlagen“ wollen. IS ist eine Terrororganisation und soll verboten sein. Ein Verbot ihrer Zeichen mag vielleicht Stärke gegenüber der besorgten österreichischen Gesellschaft demonstrieren – bringt aber nichts oder hilft sogar den Extremisten und trifft letztlich vor allem die Mehrheit der friedliebenden Muslime.



Rückfragehinweis

Carla Amina Baghajati
Medienbeauftragte der Islamischen Glaubensgemeinschaft
Mobil: 06991 2381075
Mail: baghajati@aon.at oder baghajati@derislam.at

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