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16.October.2014

Konferenz "Islam auf dem Balkan" erfolgreich abgeschlossen

 

In der Zeit vom 10.10. - 11.10.2014 fand in Wien die internationale Konferenz „Islam auf dem Balkan“, organisiert von der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich, statt. Höchste islamisch-religiöse Vertreter einzelner Länder aus der Balkanregion und AkademikerInnen aus dem Bereich islamischer Wissenschaften, Soziologie und Pädagogik nahmen an der Konferenz teil. Insgesamt 25 TeilnehmerInnen aus Albanien, Bosnien und Herzegowina, Bulgarien, dem Kosovo, Kroatien, Mazedonien, Montenegro, Rumänien, dem Sandschak, Serbien, Slowenien und Ungarn waren Teil dieser Konferenz.

Diese stand unter dem Ehrenschutz des österreichischen Bundespräsidenten Dr. Heinz Fischer, der sich bei der feierlichen Begrüßungszeremonie am Freitagabend persönlich an die ca. 200 geladenen Gäste wandte und einen guten Start für die Konferenz wünschte.

Dr. Fuat Sanac, der Präsident der IGGiÖ, unterstrich in seiner Eröffnungsrede die Wichtigkeit der Stärkung des Dialogs, den die österreichischen Muslime seit nun mehr als 100 Jahren (vor)leben und betonte den Weg der Mitte, der Bildung, Integration durch Partizipation und die Ablehnung jeglicher Form von Extremismus und Gewalt.  Er nahm auch Stellung zur aktuellen Debatte um das Islamgesetz und drückte die Sorgen der MuslimInnen aus, dass dieses dem Gleichheitsgrundsatz in vielen Punkten widerspreche.

In Vertretung des bosnisch-herzegowinischen Reis-ul-ulema, Husein Kavazovic, begrüßte Dr. Enes Karic, Professor an der Fakultät der Islamwissenschaften in Sarajevo, die Anwesenden und unterstrich, in Anlehnung an die Propheten Adam und Abraham, die Wichtigkeit des Friedens zwischen den verschiedenen Gläubigen in der Balkanregion, der Bildung und der Offenheit der Europäischen Union im Hinblick auf die Balkanländer und den traditionellen, gemäßigten Islam dort.

Die Eröffnungszeremonie wurde musikalisch von Sumaya Baghajati am Klavier und dem Kinderchor „Hilal“ bereichert.

Ein besonderer Dank der IGGiÖ gilt dem Österreichischen Integrationsfonds, dem Bundesministerium für europäische und internationale Angelegenheiten, der Stadt Wien und allen anderen Sponsoren für die finanzielle Unterstützung dieses Projektes.


Bilderarchiv (10.10.2014)
Bilderarchiv (11.10.2014)


 

Entwurf zur Schlusserklärung der Konferenz

„Islam auf dem Balkan“

der Islamischen Glaubensgemeinschaft am 11.10.2014


Anlass der Konferenz:

  1. Historischer Kontext: enge Verflochtenheit Österreichs mit dem Balkan
  2. Rolle der Balkanregion in Europa
  3. In dieser Tradition Erfahrungen austauschen, gemeinsam auftreten, Situation zum Positiven verändern
  4. Anknüpfend an bisherige Imamekonferenzen und ihre Standortbestimmung des Islam in Europa


Besonderheiten der Balkanregion, die stärker wahrgenommen werden sollen:

  1. Autochthone Muslime, die zeigen, dass der Islam Teil Europas ist, eine 600 jährige Geschichte und gemeinsamen Raum hat
  2. Bewusstsein, dass Vielfalt zur Identität gehört und Pluralismus eine Selbstverständlichkeit ist
  3. Erfahrungen im friedlichen Zusammenleben, die nicht von kriegerischen Auseinandersetzungen völlig überdeckt werden sollen. Diese haben reiche kulturelle Zeugnisse hinterlassen, die gegenwärtig im Alltag spürbar sind.
  4. Typisch für die Art den Islam zu leben und auszulegen: nie ein reduktionistischer Islam, sondern ein offener „inklusivistischer“ Islam mit gemäßigter Rhetorik


Chancen:

  1. Ausstrahlen der Kultur des Zusammenlebens in gegenseitigem Respekt und Akzeptanz
  2. Bewusstmachen einer muslimisch-europäischen Identität
  3. Europa auch nach Osten ausrichten – Brücke in den Orient aufbauen und nutzen



Herausforderungen:

  1. Ansehen des Islam wird durch Terror und Gewaltherrschaft mit dramatischen Folgen für Muslime beschädigt.
  2. Zurückdrängen von Extremismus
  3. Wissen über Religion nimmt ab: speziell bei Angehörigen der zweiten und dritten Generation mit Migrationserfahrung – Leerraum für fundamentalistische Strömungen.



Maßnahmen:

  1. Gemeinsames Statement gegen Terrorismus und Extremismus. Inkludiert ist der Aufruf, dass eine Verurteilung auch in einen Aktionsplan münden muss. Muslime sollen also nicht reaktiv auf die Ereignisse wirken, sondern als aktive Akteure in der Präventionsarbeit wahrgenommen werden. Gleichzeitig besteht der Aufruf zur Zurückweisung eines Generalverdachts gegen Muslime und gegen den Druck auf sie, als müssten sie sich persönlich für Verbrechen, an denen sie keinen Anteil haben, entschuldigen.
  2. Etablierung einer Ansprechstelle in regionalen Büros in Brüssel für die Balkanregion und ihre muslimischen Vertretungen
  3. Bildung stellt eine primäre Immunisierung gegen Gewaltideologien dar. Rolle des Religionsunterrichts an den öffentlichen Schulen beachten!
  4. Befähigt auch zu Kritikfähigkeit und Reflexion: Ehrlichkeit in der Definition heikler Fragen, Beschreibung globaler und politischer Zusammenhänge, die die Entstehung von Extremismus fördern.
  5. Vertrauensaufbau durch Dialog, wobei auch der innermuslimische Dialog von entscheidender Bedeutung ist.
  6. Die Kooperation mit anderen IGGs der Balkanstaaten aufgrund der Rolle des Balkans für Europa ist unermesslich. Bei Beachtung der speziellen Herausforderung, dass dies auch eine stärkere Bewusstheit für den Begriff der pluralen Identität mit sich bringt, damit Muslime nicht in Verdacht stehen, sich an einer Nabelschnur zum Ursprungsland zu befinden.
  7. Stärkung von Musliminnen. Förderung ihrer Partizipation in den muslimischen Institutionen, v.a. im Berufsleben ohne Diskriminierung.
  8. Stärkung der Gemeinschaft, auch als Faktor in der Identitätsbildung, zu der eine Entwicklung von Verantwortlichkeit in einem Gemeinwesen gehört.
  9. Stärkung der Rolle der Imame: als Vorbilder und Multiplikatoren ihrer Gemeinde, da sie lebensbezogen Muslime an ihre moralische Verantwortung erinnern.
  10. Begleitungsangebote für neukonvertierte Muslime, damit sie in ihrer neuen Religion gestärkt werden und zugleich vor extremistischen Einflüssen bewahrt werden.
  11. Kritische Analyse der Darstellung des Islam und der Muslime in den Medien – Beiträge für ein ausgewogeneres Bild und Beachtung muslimischer Terminologie. Zurückweisung von Begriffen wie „Islamfaschismus“, die ein schändlicher Versuch sind, jegliche Frustration dem Islam zuzuschieben.
  12. Rechtliche Stärkung der Muslime in ihrem Verhältnis zum Staat. Diesbezüglich war Österreich immer ein Modellbeispiel in der Anerkennung seit 1912. Dieser Charakter soll auch bei der geplanten Novellierung gewahrt werden, bzw. weiterhin Vorbild für andere Staaten sein, wo die Anerkennung noch nicht verwirklicht ist. Dabei sollen der Gleichheitsgrundsatz und die Verhältnismäßigkeit durchgehend gewahrt sein.




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