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27.January.2015

Muhammad Karikaturen: Nicht provozieren lassen!

 

 

 

Im Diskurs zum Islam geht es zunehmend darum, wie Muslime mit den Muhammad Karikaturen umgehen. Dies läuft aber an der eigentlichen Fragestellung vorbei. Den Terroristen ging es nicht darum, den Propheten Muhammad „zu rächen“. Sie wollten den Krieg aus Syrien und dem Irak nach Europa tragen und suchten ein symbolträchtiges Angriffsziel. Ihnen liegt an einer Spaltung und Polarisierung der Gesellschaft und dem Erzeugen einer lähmenden Angst. Steigende Islamfeindlichkeit kommt ihnen nur gelegen, weil sie frustrierte und ausgegrenzte Menschen rekrutieren.

Umso wichtiger ist es, dass sich Muslime klar positionieren. Einhellig wurde die Ermordung so vieler unschuldiger Menschen in Paris verurteilt. Diese Verbrechen sind die eigentliche Blasphemie. Hier haben sich Extremisten selbstherrlich in ihrer Allmachtsphantasie über Gott und seine Gebote gestellt. Immer wieder haben Muslime in Europa betont, dass sie die Vereinbarkeit ihrer muslimischen Identität mit den Werten von Demokratie, Rechtsstaatlichkeit, Pluralismus und Menschenrechten leben, was in den Schlussdokumenten der Imamekonferenzen Graz 2003 und Wien 2006 und 2010 nachzulesen ist. Redefreiheit ist eine Säule der Demokratie.

Was die Muhammad Karikaturen betrifft, so gibt der Prophet selbst das beste Beispiel, wie damit umzugehen ist. Denn er wurde oft verbal und physisch angegriffen. Er bewies Geduld und Gelassenheit. Als er einmal mit Steinen beworfen wurde, hielt er seine Anhänger ab einen Gegenangriff zu starten. Als Muslime sollen wir uns dessen bewusst sein, dass niemand die Ehre Gottes oder Seiner Propheten schmälern kann. Im Koran heißt es über den Propheten Muhammad: „Siehe, Wir schützen dich vor den Spöttern“ (15:95). Über Gott sagen wir „Allahu akbar“, Gott ist größer, größer als alles, was Menschen sich in ihrer begrenzten Vorstellung denken können.

Gleichzeitig kann niemand von Muslimen verlangen, sie müssten bildliche Darstellungen ihrer Propheten auch noch gut finden. Sie können ihr Recht auf Freiheit der Rede und der Meinung wahrnehmen und festhalten, warum sie sich hier verletzt fühlen. Das Recht auf freie Rede wurde als Recht der Schwachen gegen die Mächtigen erkämpft. Daher ist zu berücksichtigen, ob auf den Gefühlen einer Minderheit herum getrampelt wird.

Als Muslime ist es an der Zeit, dass wir uns damit vertraut machen, dass, was für uns selbstverständlich ist – Propheten aus Respekt nicht bildlich darzustellen – für andere keine Handlungsrichtlinie darstellt, an die sie sich gebunden fühlen. Demnach können auch nicht alle bildlichen Darstellungen gleichermaßen gesehen werden. Karikaturen mit der Absicht zu demütigen oder zu verletzen sind gewiss anders zu betrachten als Darstellungen, die dies nicht wollen. Das jüngste Titelblatt des französischen Satiremagazins definierte die abgebildete Figur nicht eindeutig als den Propheten Muhammad und schien auf Versöhnung ausgerichtet zu sein. Auch dies ist zu berücksichtigen.

Während der letzten Zeit war leider zu beobachten, dass in Ländern, in denen es große Unzufriedenheit mit den herrschenden Verhältnissen gibt, Emotionen der Bevölkerung missbraucht wurden. Politische Machthaber benutzten das neue Titelblatt dann als Katalysator für die Massen.

In Österreich ist es bisher immer gelungen, besonnen zu reagieren, so zum Beispiel im Falle einer Politikerin in Graz , die eine Wahlkampfrede für billige Polemik gegen den Islam und Muslime missbrauchte und 2009 dafür von einem österreichischen Gericht verurteilt wurde. Als unmittelbare Reaktion der Muslime sprachen wir von unserer Betroffenheit. Gleichzeitig appellierten wir, sich nicht provozieren zu lassen. Denn Provokateuren geht es ja darum, so zu reizen, dass unkontrollierte Reaktionen auch noch jenes klischeehafte Feindbild scheinbar sichtbar werden lassen, von dem sie fälschlich behaupten, es entspräche „dem Islam“.

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