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02.September.2015

Klare Worte von Kardinal Schönborn zur Flüchtlingstragödie

Klare Worte fand Kardinal Schönborn beim Gedenkgottesdienst für die Opfer der Flüchtlingstragödie am Montag, 31. August im Wiener Stephansdom, an dem auch Präsident Dr. Sanac teilnahm. Im Folgenden der Bericht dazu, übernommen von religion.orf.at:


Schönborn zu Flüchtlingstragödie: „Genug!“


Es ist genug! Genug des Sterbens, genug des Leides und der Verfolgung. Wir können nicht mehr wegschauen.“ - Mit diesen Worten hat Kardinal Schönborn am Montag den Gedenkgottesdienst im Stephansdom eröffnet.

Der Wiener Stephansdom war am Montagabend bis auf den letzten Platz gefüllt. Am Beginn des Gottesdienstes wurde die Pummerin geläutet. Zugleich erklangen zahlreiche weitere Glocken in der gesamten Erzdiözese Wien - als Zeichen des Mitgefühls und Respekts vor den Opfern. Auch viele Kirchen in der Erzdiözese Salzburg, sowie den Diözesen Graz-Seckau, Linz und St. Pölten schlossen sich dieser hörbaren Geste an.

Kardinal Scjhönborn eröffnet den Gottesdienst mit den Worten: „Es ist genug! Genug des Sterbens, genug des Leides und der Verfolgung. Wir können nicht mehr wegschauen“

Es sei eigentlich „zu grauenhaft, an das Todesleiden und Sterben dieser 71 Flüchtlinge in einem Kühlwagen für Fleischtransport“ zu denken; und doch sei es notwendig, sagte der Kardinal. „Sie alle, die gestorben sind, um die wir trauern sind unsere Geschwister, einfach Mitmenschen“, so der Kardinal wörtlich.

Größte humanitäre Herausforderung seit Jahrzehnten

Es sei endlich an der Zeit, „aus der Starre zu erwachen und uns entschieden der wohl größten humanitären Herausforderung Europas in den letzten Jahrzehnten zu stellen“, betonte Schönborn weiter. Das gehe nur gemeinsam, im Zusammenspiel von Staaten, Gemeinden und Religionsgemeinschaften.

Schönborn: „Wir dürfen zugeben, dass es schwierig ist. Wir dürfen Ängste und Sorgen benennen. Aber Wegschauen geht nicht mehr.“ Es sei genug guter Wille da und es gebe genug an Möglichkeiten, um diese Herausforderung zu bestehen, schloss der Kardinal seine Eröffnungsworte.

Für Humanität nicht schämen“

In seiner Predigt beim Gedenkgottesdienst rief der Kardinal einmal mehr zu mehr Hilfe für Flüchtlinge auf, zugleich mahnte er auch mehr europäische Solidarität bei der Versorgung und Integration der Flüchtlinge ein. Die Flüchtlinge seien „Menschen die einfach überleben und leben wollen, wie wir alle.“ Diese Flüchtlinge hätten meist „gar nichts als das nackte Leben“.

Europa sei vielfach überrascht worden, dass täglich hunderte, ja tausende Flüchtlinge hier Schutz suchen, räumte der Wiener Erzbischof ein, verwunderlich sei die aktuelle Situation freilich nicht: „Man konnte ahnen, dass es zu großen Migrationen kommen wird. Jetzt ist es Realität. Und es wird Realität bleiben. Und es wird unser Leben verändern. Der schreckliche Tod auf der A4 hat uns bewusst gemacht, dass wir keinen anderen Weg haben, als gemeinsam uns dieser Realität zu stellen. Nicht erst morgen. Heute.“

1. Papstreise führte auf die Flüchtlingsinsel Lampedusa

Kardinal Schönborn verwies auf Papst Franziskus und dessen erste Reise als Papst 2013 auf die Flüchtlingsinsel Lampedusa. Seine Worte gegen die „Globalisierung der Gleichgültigkeit“ seien nicht vergessen, so Schönborn: „Wir können nicht wegschauen.“

Wie sehr der Papst hinschaut, habe er erst gestern Sonntag gezeigt, als er beim Mittagsgebet auf dem Petersplatz für die 71 Opfer selbst gebetet und zum Gebet für sie eingeladen habe.

Hinschauen bedeute zugleich auch, sich um klare Maßnahmen zu bemühen. So habe der Papst Gott darum gebeten, „uns zu helfen, dass wir effizient zusammenarbeiten, um solche Verbrechen zu verhindern, die die ganze Menschheitsfamilie verletzen“, erinnerte Schönborn.

Auch an die Helfer denken

Wie der Wiener Erzbischof weiter sagte, wolle er an diesem Abend auch an die vielen Menschen denken, „die in diesen schwierigen Tagen, helfen wo sie können, nicht wegschauen, da sind, solidarisch sind, die einfach Zeichen der Menschlichkeit setzen.“ Ihnen allen gelte heute besonderer Dank.

Schönborn: „Ich denke besonders an alle, die mit der Erstaufnahme zu tun haben. Viele sind überlastet und bleiben doch menschlich. Die Exekutive, die karitativen Organisationen, die Freiwilligen, die große und kleine Dienste tun. Wie oft habe ich in diesen Tagen von der Freude gehört, die das Teilen, die menschliche Nähe zu den Flüchtlingen schenkt. Es ist keine Einbahnstraße!“

Guter Ruf in Humanität ist keine Schande“

Die Lasten der Aufnahme der Flüchtlinge seien in Europa aber noch ungleich verteilt, kritisierte der Kardinal: „Es kann nicht sein, dass manche Länder nur minimale Zahlen von Flüchtlingen aufnehmen und andere Höchststände haben.“ Es sei zugleich „aber auch keine Schande, wenn unser Land bei den Flüchtlingen einen besseren Ruf hat als andere. Einen guten Ruf in Humanität zu haben, dafür brauchen wir uns nicht zu schämen.“

Wörtlich sagte der Kardinal: „Was wir jetzt erleben, was uns herausfordert, ist schon ein sehr, sehr ernster Test, ob bei uns in Österreich, in Europa das christliche Erbe, das Evangelium noch lebt und gilt, oder ob es zur Makulatur geworden ist.“

Schönborn entzündet Gedenkkerze

Die Kirche wie auch alle anderen Religionsgemeinschaften seien gefordert, mehr zu tun. In allen Religionen hätten der Fremde und der Flüchtling eine besondere Wertschätzung. Schönborn: „Viel geschieht bereits und bei weitem nicht alles wird in den Medien berichtet. Aber sicher kann und muss von uns Christen, auch von den anderen Religionen, noch mehr getan werden.“ Nicht nur die Frage der Unterbringung dränge, sondern mehr noch die folgende Integration und Beheimatung.

Am Ende des Gottesdienstes entzündete Kardinal Schönborn für die Opfer eine Gedenkkerze. Im Anschluss machten es ihm die Vertreter der Politik und zahlreiche Gottesdienstteilnehmer gleich. Die Sammlung beim Gottesdienst kommt der Flüchtlingshilfe der Caritas zugute.

Beinahe die gesamte Bundesregierung war zum Gedenkgottesdienst erschienen

Politik und Kirchenvertreter im Dom

Gemeinsam mit Kardinal Schönborn konzelebrierten u.a. Militärbischof Werner Freistetter und Weihbischof Franz Scharl, weiters Bischofsvikar Dariusz Schutzki und Laszlo Vencser, Nationaldirektor für die Seelsorge andersprachiger Gemeinden in Österreich. Fast die gesamte Bundesregierung, angeführt von Kanzler Werner Faymann (SPÖ) und Vizekanzler Reinhold Mitterlehner (ÖVP) war zu dem Gottesdienst gekommen; darunter auch Innenministerin Johanna Mikl-Leitner und Außenminister Sebastian Kurz (beide ÖVP).

Fuat Sanac, Präsident der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich im Gespräch mit dem österreichischen Außenminister Sebastian Kurz

Unter den Gottesdienstteilnehmern waren weiters auch Nationalratspräsidentin Doris Bures, der burgenländische Landeshauptmann Hans Niessl (beide SPÖ) und der Präsident der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich, Fuat Sanac.

religion.ORF.at/KAP

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