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21.September.2015

Opferfest 2015 am 24. September

Das Opferfest am 24. September steht für Werte wie Solidarität, soziale Gerechtigkeit und Empathie. Diese erhalten im Angesicht der Flüchtlingskrise eine besondere Bedeutung: Sie müssen praktisch gelebt werden! Dem entsprechen viele Moscheevereine und private Initiativen von Muslimen. Genaueres zum Hintergrund des islamischen Opferfestes und der Pilgerfahrtszeit (Hadsch) in einem ausführlichen Fragenkatalog:
Mit dem Monat der Pilgerfahrt Dhul Hidscha beginnt ein Höhepunkt des islamischen Jahres. Denn auch wer sich nicht auf Hadsch befindet, erlebt die Tage vor dem höchsten islamischen Feiertag, dem Opferfest, als Zeit des Gedenkens an zentrale islamische Botschaften: Solidarität, soziale Gerechtigkeit und Bereitschaft zur Versöhnung.

Angesichts der Flüchtlingskrise steht auch das Opferfest in diesem Zeichen und ist eine Aufforderung, diesen Werten im eigenen Handeln besonders zu entsprechen.

Seit Gott dem Propheten Ibrahim ein Tieropfer sandte und so die Opferung des eigenen Sohnes verhinderte, steht fest: „Gott will keine Menschenopfer. In Seinem Namen soll niemand geschlachtet werden!“ Schmerz über eine alles andere als friedliche Welt und Grauen über menschliche Grausamkeit darf nicht in Resignation und Untätigkeit führen. Wenn nun Kriegsflüchtlinge zu uns kommen, so gilt es Herzen und Türen zu öffnen und so ihre Menschenwürde und Menschenrechte zu schützen.

Im Koran heißt es sehr klar: „Nicht ihr Fleisch und ihr Blut (der Opfertiere) erreicht Ihn, sondern euer Gottesbewusstsein.“ (22:37).  Gottesbewusstsein muss sich in guten Werken zeigen. Das Fleisch der Opfertiere wird geteilt: Ein Drittel geht an Nachbarn und Freunde, ein Drittel an Bedürftige und nur ein Drittel ist für den Eigenverbraucht bestimmt. In diesem Jahr wird besonders an die Bedürfnisse von Flüchtlingen gedacht. Opferfestfleisch soll vor allem ihnen zu Gute kommen. Daher organisiert die IGGiÖ eine solche Verteilung in Kooperation mit der Caritas.

Die höchsten Feiertage der Muslime stellen den Propheten Abraham (Ibrahim), Friede sei mit ihm, in den Mittelpunkt. Das kann eine Brücke im gegenseitigen Verständnis der abrahamitischen Religionen sein und Juden, Christen und Muslime an gemeinsame Werte und gemeinsame Propheten erinnern.

Die Pilgerfahrt nach Mekka sollte von jedem erwachsenen Muslim, gleich ob Mann oder Frau, wenigstens einmal im Leben vollzogen werden. In die Zeit der Pilgerfahrt fällt auch das viertägige Opferfest (türkisch Kurban Bayram, arabisch Eid al Adha), das 2015 auf den 24. September nach gregorianischem Kalender fällt. Im Anschluss ein ausführlicher Fragenkatalog rund um Pilgerfahrtszeit und Opferfest:


Woher kommt der Name „Opferfest“?



Das Fest steht im Zeichen der Erinnerung an den Propheten Ibrahim (Abraham), der durch Gott in besonderer Weise geprüft wurde. Sein und seines Sohnes Ismail beispielloses Gottvertrauen bestätigte sich. Sie vertrauten, dass Gott ihnen nichts auferlegen würde, das nicht letztlich zu ihrem Wohl wäre. Das dem Propheten durch ein Traumgesicht abverlangte Sohnesopfer wurde durch ein Tieropfer ersetzt, nachdem Vater und Sohn Bereitschaft gezeigt hatten dieses zu vollbringen. Bei allen drei Buchreligionen steht dieses Ereignis an zentraler Stelle. Judentum, Christentum und Islam berufen sich auf Abraham und achten sein unbeirrtes Eintreten für den Glauben auch in Zeiten persönlicher Konflikte. Menschenopfer sind abzulehnen - das ist die befreiende Botschaft des Opferfestes. Muslime lassen zum Opferfest im Gedenken an Ibrahim ein Tier, meist ein Schaf, schlachten.




Was geschieht mit dem Fleisch?



Das Fleisch ist zu dritteln. Ein Teil geht an Bedürftige, ein weiterer an Nachbarn und Freunde und erst der letzte Teil ist für den Eigenverbrauch bestimmt. In Mekka wird die gewaltige Menge des anfallenden Fleisches, das von den Pilgern oft zur Gänze gespendet wird, sofort in gebrauchsfertige Portionen geteilt und tiefgekühlt, um später in bedürftige Länder ausgeflogen zu werden. So konnte beispielsweise während des Bosnienkrieges der regelmäßige Verzehr zumindest kleiner Mengen für die Bevölkerung sichergestellt werden.




Was macht Mekka zu solch einem Anziehungspunkt? Warum die Pilgerfahrt dorthin?


Mekka ist das geistige Zentrum des Islams. Auch die Gebetsrichtung, die Qibla, weist nach Mekka. Die Muslime berufen sich dabei auf die Tradition des Propheten Abraham, der zusammen mit seinem Sohn Ismail das erste Gotteshaus für den Einen Gott an eben dieser Stelle errichtete. Die Kaaba, wie das berühmte würfelförmige Gotteshaus genannt wird, wurde laut Koran ursprünglich von ihnen erbaut. Der Hadsch knüpft an den Ritus, der durch Abraham, Friede sei mit ihm, gegründet wurde direkt an.
Auch die heidnischen Araber hatten die Kaaba als Ort der Versammlung und Pilgerstätte in Verwendung. Beispielsweise wurde die besonders entwickelte Kunstform der Poesie dort gepflegt. Die Werke der berühmtesten Künstler befestigte man an der Kaaba. Auch in diesen Zeiten des Polytheismus blieb der Bezirk um die Kaaba ein allseits respektierter Platz des Friedens. Der Ausdruck „bait al haram“ auf Arabisch für diesen Bereich drückt dies aus und wäre mit „Haus des Friedens“ frei zu übersetzen, da auf Arabisch auch das Tabu anklingt, sich anders als friedlich zu verhalten.


Außerdem ist Mekka die Stadt, in der der Prophet Muhammad 570 n. Chr. geboren wurde.


Wann ist die Pilgerfahrt?

Die Pilgerfahrt findet im letzten Monat des islamischen Jahres statt, das sich am Mondzyklus orientiert. Dieser Monat heißt Dhu al Hidscha. Ein Höhepunkt ist der Tag von Arafat am 9. des Monats, das Opferfest liegt am 10. Tag – diesmal am 24. September. Drei Tage später geht die Hadsch zu Ende. Auch die beiden vorausgehenden Monate Dhu al Qa’da und Schawwal werden bereits als Monate der Pilgerfahrt gerechnet. Hier muss man bedenken, dass früher Pilger oft wochenlang unterwegs waren, ehe sie Mekka erreichten. Saudi Arabien erteilt ab diesem Zeitpunkt im allgemeinen nur mehr Visa zum Zweck der Pilgerfahrt, was Reisende berücksichtigen sollten.




Wie funktioniert die islamische Zeitrechnung?


Gegenüber dem Sonnenjahr verschieben sich die Tage jährlich jeweils um die Zahl 11 nach hinten. Die Jahreszählung beginnt mit der Hidschra, als der Prophet Muhammad von Mekka nach Medina auswanderte, 622 n. Chr. nach christlicher Zeitrechnung. Die Muslime schreiben jetzt das Jahr 1436. Feiertage wandern also durch die Jahreszeiten und haben so von ihrer kulturellen Ausprägung her keinen Bezug auf eine jahreszeitlich bedingte Stimmung.




Wer darf sich „Hadschi“ nennen? Nur wer genau zu diesen Tagen die Riten ausgeführt hat?

Ja, die Pilgerfahrt kann nur an diesen Tagen im letzten Monat vor dem Jahreswechsel unternommen werden. Übrigens haben auch Frauen, die ungefähr die Hälfte der Pilger stellen, danach einen Ehrentitel und werden mit „Hadsche“ angesprochen. Wer zu einem anderen Zeitpunkt die heiligen Stätten besucht und die entsprechenden gottesdienstlichen Handlungen vollzieht, begeht die sogenannte „Umrah“, die auch sehr verdienstvoll ist, aber noch nicht die Erfüllung der fünften Säule des Islam bedeutet.




Und das ist alles im Koran zu lesen? – Auch was auf der Pilgerfahrt zu tun ist?


Der Hadsch wird mehrfach angesprochen. Nachzuschlagen in den Versen 2:128, 158, 189, 194, 196-203, dann in 3:96, 97 und 5:1, 2, 95-97, 9/3,19, weiters 22:27 und 48:25.
Wer sich allerdings darüber informieren möchte, was genau die Pilger bei der Hadsch an Stationen durchlaufen, wird allein im Koran nicht fündig. Hier ist das Vorbild des Propheten Muhammad wichtig, der anlässlich der sogenannten Abschiedswallfahrt kurz vor seinem Tode im Jahre 632 n. Chr. die Riten beispielhaft vollzog und darauf achtete, dass die Gemeinde diesem allem auch folgen konnte. Dabei betonte er, dass alles sich direkt vom Propheten Abraham her ableite, arabisch Ibrahim.




Neben dem Koran befragen die Muslime also auch das Vorbild des Propheten Muhammad?


Richtig - Der Koran ist für die Gläubigen sehr wichtig, beantwortet aber nicht alle Fragen, vor allem was das praktische Leben betrifft. Er gilt als eine direkte Offenbarung Gottes an Seinen Gesandten, die getreulich Wort für Wort so in der arabischen Sprache weitergegeben wurde. Daher bildet er eine Basis für den muslimischen Glauben.
Vor allem geht es im Koran um ethische Prinzipien und das Verhältnis Gott – Mensch. Für die Glaubenspraxis ist wie im Beispiel der Hadsch oder auch des Gebetsritus aber immer wieder das beispielgebende Verhalten des Propheten wichtig, das mit Sunna bezeichnet wird. Es ist im Hadith (Einzelüberlieferung) in vielen Bänden später aufgezeichnet worden und bildet den Gegenstand für umfassende Forschungen. Die Überliefererkette (isnad), eine Prüfung wer an wen Information weitergegeben hat, ist zum Beispiel von besonderem Interesse bei der Einordnung jeder Begebenheit, um eine Klassifizierung der Verlässlichkeit etwa in „stark“ oder „schwach“ vornehmen zu können.


Bilden Koran und Sunna damit die Scharia?

Aus Koran und Sunna können Aussagen für die religiöse Praxis gewonnen werden. Hier liegt die Grundlage für die Scharia, die umfassende Auslegung der für das muslimische Leben relevanten Faktoren. Mitunter werden noch weitere Instrumente (Analogieschluss zum Beispiel) zur Einschätzung einer Frage oder bei der Rechtsfindung eingesetzt, damit die Anpassungsfähigkeit an sich verändernde Gegebenheiten gewährleistet ist. Darum wäre es auch vergeblich, wollte man etwa einen Band „Die Scharia“ in einer Buchhandlung erwerben. Die Faktoren Zeit, Ort und handelnde Personen, kurz gesagt also die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen bilden einen wichtigen Hintergrund, Antworten auf Fragen nach der religiösen Praxis immer wieder neu zu formulieren. Dies geschieht auf Basis der Quellen, zeigt aber damit Flexibilität und ein dynamisches Selbstverständnis.


Gibt es Bedingungen zum Antritt der Hadsch?


Zuerst müsste geprüft werden, ob neben der religiösen Mündigkeit die Voraussetzungen für die Pilgerfahrt erfüllt sind. Werden Kinder von ihren Eltern mitgenommen, so müssen sie in späterem Alter den Hadsch vollziehen. Kinder werden aber so ernst in ihrer Persönlichkeit genommen, dass Erwachsene schwer zu vollziehende Riten stellvertretend ausführen.

Der Pilger soll körperlich zur Hadsch imstande sein und über ausreichende finanzielle Mittel verfügen, also auch frei von Schulden sein. Schuldenfreiheit bezieht sich dabei auch auf Handlungen gegenüber Mitmenschen, die bereut werden. Eine gründliche auch spirituelle Einstimmung ist nötig. Denn wer die Pilgerfahrt erfolgreich vollzogen hat, darf - sozusagen wie ein Neugeborenes - noch einmal frei von jeglichem Fehlverhalten von vorne beginnen. Dazu muss man aber nicht nur mit sich selbst ins Reine zu kommen suchen, sondern auch die Beziehung und das Verhältnis zu den Mitmenschen klären.



Vor der Pilgerfahrt bemüht man sich um Versöhnung?

Bevor der Pilger seine Reise antritt, sucht er nach Möglichkeit alle Menschen auf, mit denen er in Kontakt steht oder meldet sich zumindest kurz auf anderem Wege bei ihnen. Man verabschiedet sich nicht nur, sondern bittet auch um Verzeihung für alle Dinge, die man bewusst oder unbewusst dem anderen zugefügt hat und sucht jegliche Missstimmigkeit aus dem Wege zu räumen.


Warum ist es so wichtig um Verzeihung zu bitten? Auf der Pilgerfahrt ist doch reichlich Zeit nach Gottes Vergebung zu suchen?

Nach dem Islam kann Gott in Seiner Barmherzigkeit Fehler in der Erfüllung unmittelbar gottesdienstlicher Handlungen verzeihen. Doch wenn eine Schuld gegenüber den Mitmenschen besteht, soll man selbst dafür Sorge tragen, diese Angelegenheiten direkt zu bereinigen. Verzeihung kann von dem persönlich erlangt werden, dem Unrecht geschehen ist. Das soll auch vor Augen führen, dass man Verantwortung für die Konsequenzen des eigenen Handelns auf sich nehmen muss.


Aber jetzt endlich zur eigentlichen Pilgerfahrt! Wie geht die vor sich?

Zu Beginn begeben sich die Pilger nach einem rituellen Bad in den Weihezustand - Ihram. Ab diesem Zeitpunkt gilt Abstinenz von ehelichen Beziehungen. Tugenden, die auch sonst Maßstab sein sollten, wie Hilfsbereitschaft, Geduld, Güte und Bedacht auf eine niemanden verletzende Rede sind ab jetzt besonders entscheidend. Denn Nachlässigkeiten könnten den Erfolg des Hadsch in Frage stellen. Der Friedensgedanke spiegelt sich auch im Verbot der Jagd, selbst eine Ameise sollte nicht versehentlich zertreten werden. Kein Baum darf gefällt werden, kein Strauch geknickt.

Männer tragen alle die gleichen weißen ungesäumten Tücher, die Assoziationen an Totenkleider wecken. So wird der allen gemeinsame Ursprung und die allen gemeinsame Vergänglichkeit des Irdischen veranschaulicht. Frauen ist im Rahmen der islamischen Bekleidung freigestellt, welche Gewänder sie wählen. Soziale Unterschiede und Äußerlichkeiten dürfen gerade während der Hadsch keine Rolle spielen, denn alle Gläubigen sollen sich bewusst werden, dass vor Gott nur die Taten jedes einzelnen zählen und nicht sein gesellschaftliches Prestige.


Und danach beginnen die eigentlichen Riten?

Mit hörbarer Stimme bezeugen die Pilger nun die Bereitschaft vor Allah zu treten. Dieser Akt heißt Talbiya. Die Worte lauten: „Labbayka Allahumma Labbayk...“ Dies bedeutet: „O Allah! Ich trete vor Dich hin, ich stehe Dir zur Verfügung!“

Danach kommt der große Augenblick des Umschreitens der Kaaba, die siebenmal umrundet wird. Dieser Vorgang heißt Tawwaf.

Im Anschluss an ein Gebet wird aus dem „Zamzam“-Brunnen Wasser getrunken.


Was ist an diesem Wasser so besonders?

Zamzam wurde vom Propheten Ismail gefunden, als er noch ein Baby war. Er befand sich mit seiner Mutter Hagar ganz allein in der Wüste. Hagar war unruhig und besorgt, wie sie ihr Kind und sich durchbringen sollte. Daher lief sie zwischen den Hügeln Safa’ und Marwa hin und her, um mögliche Hilfe zu erspähen. Währenddessen spielte der kleine Ismail im Sand und stieß dabei auf die Quelle, die seither nie versiegt ist und noch heute alle Pilger mit einem wohlschmeckenden und als gesegnet geltenden Wasser versorgt.

Der Lauf Hagars zwischen den beiden Hügeln wird als Bestandteil der Hadsch nach dem Genuss des Wassers von den Pilgern nachgeahmt und nennt sich „Sa’i“.


Dann spielt sich nicht der ganze Hadsch ausschließlich in Mekka ab?

Richtig, zwei Tage vor dem Opferfest am 8. des Monats begeben sich die Pilger nach Mina, wo eine gewaltige Zeltstadt zu ihrer Unterbringung aufgebaut ist.


Und was geschieht am Berg Arafat?

Arafat oder „der Berg der Gnade“ ist ein Ort, an dem die Pilger am 9.Dhul Hidscha einen ganzen Tag im Freien in intensivem Gebet verbringen. Dies gilt als der spirituelle Höhepunkt der Pilgerfahrt.


Wird auch die Nacht draußen verbracht?

Ja, aber nicht mehr in Arafat, sondern in Muzdalifah. Dorthin geht es nach Sonnenuntergang. Hier sammeln die Pilger sehr kleine Steinchen.


Wozu dienen die Steinchen?

Nach dem Morgengebet kehrt man zurück nach Mina. An einer markierten Stelle werden diese Steinchen benutzt, um ein symbolisches Zeichen des Widerstands gegen die Versuchungen des Schaitan zu setzen. Die Pilger werfen sie in Richtung des bezeichneten Punktes.


Ist jetzt der Tag des Opferfestes gekommen?

Genau. Darum ist im Anschluss an die „Steinigung des Teufels“ auch von jedem Pilger dafür Sorge zu tragen, dass in seinem Namen ein Schaf geschlachtet wird.


Ist mit dem Opferfest der Hadsch zu Ende?

Nicht ganz. Männliche Pilger lassen sich als Zeichen der Demut vor Gott die Haare zur Gänze oder bis auf eine sehr geringe Länge schneiden. Bei Frauen genügt auch ein einfaches Kürzen um wenige Zentimeter. Das besondere „Ihram“-Gewand wird abgelegt und ein Tawwaf, also das Umschreiten der Kaaba in Mekka ausgeführt. Drei Tage sind nun noch in Mina vorgesehen, wobei das Bewerfen der markierten Stelle mit Steinchen täglich ausgeführt wird. Zum Abschied gibt es noch einen Tawwaf.

Wenn damit alle Riten beschrieben sind, so ist eigentlich keine Handlung dabei, die der Person Muhammads gilt?

Ja. Muslime würden den Propheten Muhammad ja nie „anbeten“, weil dies dem Geist des Monotheismus widerspräche! Deswegen wird von ihnen übrigens die Bezeichnung „Mohammedaner“ als in dieser Richtung missverständlich abgelehnt. Auch daran zeigt sich, dass im Islam nur Gott allein aller Gottesdienst gelten kann.

Zum anderen ist es ein anschauliches Beispiel dafür, dass Muslime ihren Propheten Muhammad nicht als „Religionsstifter“ betrachten. Islam steht für sie in der Reihe von Judentum und Christentum. Der Prophet Abraham, auf den sich die Pilgerfahrt gründet, ist eine herausragende Prophetenfigur, die im Koran genauso wie Noah – Nuh, Moses – Musa, David – Daud, Josef – Yussuf, Jonas – Yunus oder Isa – Jesus - Friede sei mit ihnen allen, um nur einige zu nennen, vorkommen.


Aber wird nicht das Grab des Propheten Muhammad in Medina besucht?

Das stimmt. Entweder vor oder nach der Pilgerfahrt nutzen die Muslime die Gelegenheit um auch Medina und die dortige Moschee zu besuchen. Diese Moschee steht auf dem Boden der ersten Moschee überhaupt, an die sich das Haus des Propheten anschloss. Hier wurde er auch begraben. Diese Bereiche bilden inzwischen mit der stark erweiterten Moschee eine Einheit. Der Besuch ist aber kein Bestandteil des Hadsch.


Wie geht es einem Muslim nach Beendigung der Pilgerreise?

Da ist wohl bei jedem die Freude, seine religiöse Pflicht erfüllt zu haben. Und gleichzeitig müsste auch eine Bewusstheit dafür vorhanden sein, dass dieses neue Kapitel des eigenen Lebens, das man derart gereinigt beginnen darf, auch viel Verantwortung mit sich bringt. Denn als Mensch wird man wieder mit eigenen Fehlern und Unzulänglichkeiten konfrontiert werden und sehen, dass man immer an sich arbeiten muss. Der Titel Hadschi oder Hadsche will verdient sein.

Doch können die Erfahrungen der Hadsch und die Erinnerung daran sehr konkret dabei helfen. Es ist ja nicht allein das spirituelle Erlebnis, das den Menschen für die Zukunft prägt, sondern auch die Eindrücke bei der Reise.


Ich verstehe nicht ganz, wie eine solche Massenveranstaltung mit Gedränge und Trubel der Kontemplation dienen kann?

Das Erlebnis innerhalb einer großen Menschenmenge zu sich selbst zu finden, ist eines der Dinge, die man in den Alltag übernehmen könnte. Spiritualität braucht nicht unbedingt die Abgeschiedenheit von aller Welt. Und dann ist es natürlich eine gewaltige Erfahrung, Teil zu haben, wenn mehr als zwei Millionen Pilger aus aller Welt sich im gemeinsamen Gottesdienst treffen.


Kommt es auf so engem Raum nicht automatisch zu Spannungen?

Die Vielfalt der Nationalitäten der Teilnehmer ist beeindruckend. Jeder findet sich auf einmal in einer Minderheitensituation. Wer im Kopf hatte, Muslime seien in erster Linie Araber, wird sehr schnell eines Besseren belehrt. Die Pilger sind nicht nur angehalten, eine Stimmung der Geschwisterlichkeit zu pflegen, diese entsteht aus der Situation heraus ganz natürlich. Hier demonstriert sich der Gedanke des Anti-Rasssismus im Islam sehr deutlich. Malcolm X, der bekannte zum Islam konvertierte schwarze Menschenrechtskämpfer, erkannte auf dem Hadsch, dass es kein Weg sein könne, nach dem erlittenen rassistischen Unrecht umgekehrt alle Menschen weißer Hautfarbe zur Zielscheibe zu machen.

Selbstverständlich sind aber Geduld, Verständnis für andere und innere Gelassenheit Haltungen, die in diesen Tagen besonders gefragt sind. Gelehrte weisen immer wieder darauf hin, dass der Hadsch damit auch eine Art Training für moralisch gutes Verhalten im Alltag darstellt.


Falls ein Muslim bis zu seinem Tod nicht dazu kommt auf Pilgerreise zu gehen, stirbt er dann mit einer Sünde?

Die Absicht ist im Islam immer ein entscheidendes Kriterium. Wenn also prinzipiell der Wunsch und die ehrliche Absicht dazu besteht, die Pilgerfahrt zu unternehmen, aber Umstände dies verhindern, so liegt in scha’ Allah – so Gott will – auch keine Verfehlung in diesem Punkt vor.


Und wie begehen die Muslime, die nicht auf Hadsch sind, jene Tage?

Viele haben Verwandte oder Bekannte, die die Pilgerfahrt unternehmen und bekommen die Stimmung daher mit. Der Tag von Arafat, den die Pilger auf diesem Berg verbringen, ist ein zum Fasten empfohlener Tag. Von der Dämmerung bis Sonnenuntergang wird hier von den Muslimen, die dazu in der Lage sind gerne gefastet, also auf Essen und Trinken bewusst verzichtet.

Am nächsten Tag ist das Opferfest. In Österreich schlachtet fast niemand persönlich. Nicht nur fehlen die praktischen Möglichkeiten, man müsste auch dazu kundig sein. Es wird also an die muslimischen Fleischer der Auftrag dazu gegeben. Sehr gebräuchlich ist aber auch die Form, Geld in Länder zu schicken, wo die Bevölkerung Not leidet und so für Fleisch zu sorgen.


Wie lange dauert das Fest?

Das Opferfest oder arabisch Eid al Adha, bzw. türkisch Kurban Bayrami währt vier Tage. Am frühen Morgen des ersten Tages versammelt sich die Gemeinde in der Moschee für ein spezielles Feiertagsgebet. Dieses findet bevorzugt im Freien statt, so es das Wetter zulässt. Danach stehen die sozialen Kontakte im Mittelpunkt. Man trifft Familie und Freunde und pflegt Bekanntschaften. Das Fest hat auch einen Charakter der Versöhnung unter den Menschen. Sollte es Missstimmungen geben, so ist jetzt der ideale Zeitpunkt um diese auszuräumen, da allgemein die Gemeinschaft nicht dadurch belastet werden sollte.

Die Kinder freuen sich über Geschenke. In den Ländern der islamischen Welt stehen neue Kleider für die ganze Familie im Vordergrund und ein Taschengeld für die Feiertage. Hier kommt auch Spielzeug dazu oder wird so mancher lang gehegte Wunsch erfüllt. Gerne veranstaltet man Feiern, um den Gemeinschaftscharakter zu betonen.


Über das Schlachten der Tiere will ich mehr wissen. Wird da geschächtet?

Im Islam wird wie auch im Judentum ein Tier durch Schächten getötet. Ausschließlich fachmännisch darf das rasche Durchtrennen der Halsschlagadern vorgenommen werden. Damit tritt auch eine Betäubung ein. Gleichzeitig ist gewährleistet, dass das Fleisch ausbluten kann. Im Islam sind der Verzehr von Blut, Verendetem und Schweinefleisch und das Trinken von Alkohol verboten. Respekt vor der Schöpfung und Bewusstheit für die Verantwortung im Umgang mit Tieren gebieten die Berücksichtigung weiterer Faktoren: Kein Tier darf getötet werden, das nicht zum Verzehr bestimmt ist, so nicht sehr zwingende Gründe vorliegen. Tiere sollen artgerecht gehalten werden. Dies schließt zum Beispiel die Verwendung von Tiermehl als Futter aus. Jeder Stress und Leiden rund um die Schlachtung ist zu vermeiden. Also soll es keine endlosen Transportwege geben, noch das Tier im Schlachthof sehen müssen, wie vor ihm Tiere getötet werden.

Das bundeseinheitliche Tierschutzgesetz und das neue Islamgesetz sichert den Muslimen die Möglichkeit des Schächtens zu, das an Schlachthöfen von ausgewiesenen Fachkräften in Gegenwart eines Tierarztes ausgeführt werden soll. Direkt nach dem Schächtstreich wird noch eine zusätzliche Betäubung vorgenommen.


Beaufsichtigt die Islamische Glaubensgemeinschaft das Schächten?

Die IGGiÖ stellt die Zertifikate aus, die Fleischhauer, die das Schächten betreiben, als Fachleute auf diesem Gebiet ausweisen. Anträge können über das Büro der IGGiÖ gestellt werden.


Und wie ernst nehmen es die Muslime mit dem Opfer?

In Österreich hat in den letzten Jahren die finanzielle Abgeltung große Verbreitung gefunden. Das heißt, dass Muslime den sozialen Gedanken des Teilens sehr bewusst aufgreifen und verschiedenen privaten oder über Vereine organisierten Hilfsinitiativen den Gegenwert eines Schafs in Österreich übergeben. Mit diesem Geld wird dann vor Ort, wo besonderer Bedarf besteht, geschächtet. Also z.B. in Palästina, Irak, Afghanistan, usw. Ansonsten ist es üblich zu einem muslimischen Fleischhauer zu gehen und dort das Schlachten in Auftrag zu geben. Im Koran heißt es, dass nicht das Blut oder das Fleisch des Opfertieres Allah erreiche, sondern die Frömmigkeit. Beim Opfer geht es also keinesfalls um ein „Schlachtritual“, sondern um das Praktizieren sozialen Verantwortungsbewusstseins.


Was bekommt man von diesen Tagen in Österreich vom Opferfest mit, wenn man kein Muslim ist?

Per Erlass wird den muslimischen Schulkindern die Teilnahme am Unterricht freigestellt. Das neue Islamgesetz stellt die islamischen Feiertage nun ausdrücklich unter staatlichen Schutz. Vielleicht erlebt man auch von Nachbarn oder Bekannten ein Stück Fleisch oder eine Kostprobe der Feiertagsmahlzeit geschenkt zu bekommen. Denn beim Aufteilen des Opferfleischs ist es wie erwähnt üblich, andere Menschen zu bedenken. So wird in diesem Jahr auch die Verteilung von Opferfestfleisch an Flüchtlinge in Zusammenarbeit mit der Caritas organisiert.

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