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16.November.2015

Nach den Anschlägen in Paris: Sich in der Krise auf die eigenen Stärken besinnen

Nach dem ersten Schock über die Anschlagsserie in Paris stellt sich die Frage nach den Konsequenzen. Die Befriedung der blutigen Konflikte im Nahen Osten scheint endlich in der internationalen Politik Priorität zu erlangen. Hier geht es um Ursachenbekämpfung an Schauplätzen, für die Europa sich lange weigerte Verantwortung zu übernehmen.

In Europa selbst gilt es vor allem besonnen zu agieren. Eine breitenwirksame Bekämpfung des IS und ähnlicher Terrorgruppen beginnt damit, sich deren Manipulationsversuchen aktiv zu widersetzen. Das geht uns alle an. Statt uns verängstigt und frustriert zurückzuziehen, können wir die Stärken unserer freiheitlichen demokratischen Rechtsordnung noch bewusster ausüben. Dies ist die Stunde für unsere pluralistische Zivilgesellschaft, friedliches Zusammenleben und Zusammenarbeiten wie aktuell bei der Bewältigung der Flüchtlingskrise sichtbar und selbstbewusst zu leben. Seite an Seite stehen hier Muslime, Christen und Menschen guten Willens. Es darf den Extremisten nicht gelingen, die Gesellschaft zu spalten.

Umso mehr müssen wir aufeinander zugehen. Die Terroristen sind auf Lähmung und Hass aus. Sie wollen, dass alle Angst vor ihnen und Angst vor dem Islam an sich haben. Nichts käme ihnen gelegener als ein Anstieg der Islamfeindlichkeit. Denn in ihrer Propaganda setzen sie auf einen Opfermythos. Nirgendwo gelingt ihnen die Rekrutierung leichter als bei frustrierten und sich ausgegrenzt fühlenden jungen Menschen. Bei den Extremisten liefern sie sich gewalttätigen Allmachtsphantasien aus, die in scharfem Widerspruch zu jeder religiösen Lehre  stehen. Sie stellen sich über Gott. Die Allahu akbar („Gott ist größer“) Rufe, mit denen sie ihre Verbrechen begleiten, sind wie die Morde selbst eine Gotteslästerung, die den ganzen Wahnsinn entlarvt.

Als Muslime leisten wir unseren Beitrag in der Prävention vor allem durch Aufklärung und eine religiöse Bildung, die vor der Verderbnis bringenden Ideologie der Extremisten immunisiert. Dies hat zuletzt auch den innermuslimischen Diskurs gefördert. In ihren Methoden bietet die islamische Theologie Möglichkeiten, zu einer jeweils zeitgemäßen und zugleich authentischen Interpretation zu kommen. Kontextorientiertheit und Beachtung der übergeordneten Ziele des Islams wie der Schutz von Leben, Vernunft, Besitz, Nachkommenschaft und Religionsfreiheit sind dabei nur zwei wichtige Ansätze. Zunehmend selbstkritisch werden Auslegungstraditionen durchleuchtet, die Anlass zu missbräuchlicher Verwendung geben könnten. Somit konnte die Vereinbarkeit sich gleichzeitig muslimisch und österreichisch/europäisch zu fühlen noch klarer herausgearbeitet werden.

Gleichzeitig besteht weiterhin großer Bedarf diese inneren Entwicklungen auch nach außen zu kommunizieren. Denn die Außensicht, die derzeit stark durch die Verbrechen der Terroristen geprägt wird, ist eine völlig andere als die Selbstwahrnehmung der Musliminnen und Muslime. Diese Kluft muss überwunden werden.

Der interreligiöse Dialog mit seiner langen und höchst erfolgreichen Tradition in Österreich steht somit vor der besonderen Herausforderung, noch viel mehr Menschen zu interessieren und einzubeziehen. In diesem Zusammenhang sei auf die vielfältigen Aktivitäten etwa der Plattform der Kirchen und Religionsgesellschaften oder der Plattform Christen und Muslime verwiesen. Die Vorbereitungen für den nächsten bundesweiten Tag der Offenen Moschee am 13. Februar 2016, der von der IGGiÖ in Zusammenarbeit mit den vielen muslimischen Vereinen gestaltet wird, sind bereits im Gange.

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