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25.November.2015

Gemeinsam gegen Gewalt an Frauen

Am 25. November beginnen „10 Tage gegen Gewalt an Frauen“, die jährlich international begangen werden. Sie sind ein wichtiger Anlass, um zu überprüfen, wo in der Bewusstseinsbildung noch wirkungsvoller angesetzt werden kann. Präventionsarbeit gegen Gewalt ist immer auch Bildung in Richtung mehr Geschlechtergerechtigkeit. Muslimische Stimmen sind hier mehrfach wichtig.


Heraus aus der Opferrolle!

Denn gerade wenn es um den Islam geht, werden Frauen in der Außensicht immer wieder als passive „Opfer“ gesehen. Aus dieser Zuschreibung suchen Musliminnen zunehmend auszubrechen. Durch ihre gesellschaftliche Teilhabe möchten sie verstärkt als eigenständig und höchst aktiv Handelnde wahrgenommen werden. Innermuslimisch hat parallel ein wichtiger Diskurs über das Geschlechterverhältnis eingesetzt. Man kann nicht dabei stehen bleiben, frauenfeindliche Tendenzen und Gewaltphänomene wie Zwangsheirat oder Ehrenmord der „kulturellen Tradition“ anzulasten, um damit die Rolle der Religion auszublenden. Einerseits sind gewisse Auslegungstraditionen kritisch zu durchleuchten. Andererseits liegen im Islam selbst wichtige Argumente für die  Gleichberechtigung von Mann und Frau. Diese bewähren sich zunehmend, gerade in der Überwindung so genannter „harmful traditions“.


Gegen Rollenklischees und Geschlechterstereotype

Solange Frauen als das „schwache Geschlecht“ betrachtet werden, besteht hier eine Wurzel für mangelnde Chancengleichheit. Frauen systematisch klein zu halten, hemmt nicht nur Entfaltungsmöglichkeiten. Angeblicher „Schutz“ kann schnell in Bevormundung umschlagen, wenn etwa selbstherrlich von männlicher Seite angenommen wird, eine Frau sei am besten behütet zu Hause aufgehoben und solle sich doch nicht der Mühe unterziehen müssen berufstätig zu sein. Oder sie müsse sich den Härten der politischen Auseinandersetzung nicht aussetzen, weil die von Natur aus „kämpferischen Männer“ dies für sie schon übernehmen könnten. Gewalt beginnt bereits bei dieser Unterdrückung des Selbstbestimmungsrechts von Frauen und Mädchen zu ihrem angeblich eigenen Besten.


Geschlechtergerechtigkeit als gemeinsamer Wert

Derartige Denkmuster finden sich unabhängig von Religionszugehörigkeit oder Herkunft. Sie sind auch hierzulande noch nicht vollständig überwunden. Daher bietet das gemeinsame Einstehen für Geschlechtergerechtigkeit in der Vielfalt der religiösen und weltanschaulichen Hintergründe nicht nur eine Belebung des alten Slogans von der „Frauensolidarität“. Engagement gegen Gewalt ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Angesichts von Debatten um eine gemeinsame tragfähige Wertebasis, die durch die Flüchtlingsthematik jüngst verstärkt wurde, ist dieser gemeinsame Einsatz ein wichtiges Mittel gegen Populisten, die Identität am liebsten durch Abgrenzung oder Feindbilder zu erreichen suchen.

Zum Thema erschien im Verlag Tyrolia das Buch „Muslimin sein – 25 Fragen, 25 Orientierungen“ von Carla Amina Baghajati. Hier werden 25 typische Fragen unter fünf übergeordneten Aspekten behandelt: Gottesdienst, Rollenbilder, Zusammenleben, Ehe und Familie und Im Namen der Ehre?.

Prinzipielle Fragen zur Stellung der Frau werden ebenso besprochen wie die Alltagssituation des Händeschüttelns. In Bezug auf die Bekämpfung von Gewalt gibt es Kapitel zu häuslicher Gewalt, Zwangsehe, Verbrechen im Namen der Ehre und FGM (weibliche Genitalverstümmelung). Die Einleitung des Buchs wie auch vieler Kapitel bringt persönliche Bezüge und Beispiele aus der Praxis. Zugleich werden eingangs Methoden wie das Heranziehen der Primärquellen Koran und Sunna, Einbeziehung des historischen Hintergrunds und der maqasid asch-scharia (der übergeordneten Ziele der Religion), Berücksichtigung von Werken der Exegese und Kontextualisierung, also Herstellung eines Bezugs zur heutigen Lebensrealität vorgestellt. Dies ermöglicht ein Mitdenken bei der späteren Diskussion der einzelnen Themen. Abschließend steht eine Art Checkliste -  10 Punkte, wo und wie Geschlechtergerechtigkeit besser durchgesetzt werden kann. Das Buch wurde inzwischen mehrfach positiv rezensiert. Die Fachzeitschrift der Religionspädagogik ÖRF stellt in einer Buchbesprechung von Dr. Silvia Arzt fest: „Dieses „neue Handbuch für muslimische Frauen“ ist gut lesbar und verständlich geschrieben und eignet sich auch für den Einsatz im Religionsunterricht und anderen Orten religiöser Bildung.“

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