Direkt zum Inhalt dieser Seite

Home | Newsletter | Kontakt | Impressum

 

24.July.2016

Schmerz nach dem Münchner Amoklauf – weiterführende Gedanken dazu

Traurig und schockiert bringt die Islamische Glaubensgemeinschaft Ihre Betroffenheit angesichts der kaum fassbaren Ereignisse beim Amoklauf in München zum Ausdruck. „Nicht schon wieder im Namen des Islams!“, so schildern viele Musliminnen und Muslime ihren spontanen ersten Gedanken, als sie am Freitagabend hören mussten, dass wenige Tage nach dem Axtangriff in einem Zug bei Würzburg wieder ein mordlustiger Jugendliche in einem Einkaufszentrum für Angst und Schrecken sorge. Auch wenn sich inzwischen dank der Ermittlungsarbeit der Polizei herausgestellt hat, dass kein islamistisch-terroristischer Hintergrund vorliegt, muss das grausame Verbrechen, bei dem sich der Täter am Ende selbst richtete, mehr zu denken geben als bisherige, auch international bekannte Fälle schießwütiger junger Männer und ihrer Wahnsinnstaten. Für die Angehörigen und Freunde der Opfer ist es wohl auch nebensächlich, aus welchen Motiven die Tat entstand. Ihnen sprechen wir uns tiefes Beileid aus.

Auch wenn es noch zu früh ist für eine umfassende Analyse: Der Täter scheint den Wahnsinn in sich kultiviert zu haben, indem er sich Amokläufe zum Vorbild nahm. Das ist verstörend und verunsichert zutiefst. Hier mag nun doch eine Gemeinsamkeit zu den jüngsten Terroranschlägen liegen, die der so genannte IS im Anschluss für sich reklamierte. Vom Leben frustrierte und zornige junge Männer haben einen Weg gefunden, ihren Freitod so zu gestalten, dass sie einerseits möglichst viele andere in den Tod mitreißen und andererseits ihnen weltweite Aufmerksamkeit sicher ist.

Das fordert uns auch als Gesellschaft heraus. Wir sind Zeugen permanenter Grenzüberschreitungen durch grausamste Terrorakte. Das menschliche Leben sollte unantastbar sein, während wiederkehrende Gewaltexzesse einen Tabubruch nach dem anderen liefern – und offensichtlich Nachahmer finden. Wenn Selbstmörder andere dazu motivieren es ihnen gleich zu tun, spricht man seit dem Erscheinen von Goethes Roman „Die Leiden des jungen Werthers“ vom „Werthereffekt“. Seit damals ist man dafür sensibilisiert, mit größter Verantwortung in der Berichterstattung zu Selbsttötungen umzugehen, um Nachahmung hintanzuhalten. Terrorakte werden in die Nachrichten gelangen. Es braucht aber eine Form des Umgangs damit, die möglichst garantiert, dass hier kein neues Phänomen entsteht, aus Hass den eigenen Tod als Gemetzel an anderen zu inszenieren.

Ein zweiter Aspekt verdient mindestens genauso viel Aufmerksamkeit. Der Täter bestimmte als Tatzeitpunkt den Jahrestag der Anschlagsserie von Anders Breivik in Norwegen vor fünf Jahren, der aus rassistischen Motiven und mit größtem Hass auf den Islam und Muslime handelte. Bei seiner Tat in München scheint er besonders junge Menschen mit Migrationshintergrund und islamischer Religionszugehörigkeit in den Tod gelockt zu haben. Selbst mit Wurzeln im Iran scheint er eine Art Selbsthass entwickelt zu haben, wollte unbedingt als „Deutscher“ gelten.

Einmal mehr zeigt sich die Notwendigkeit, als Gesellschaft in unserem Pluralismus einen solchen sozialen Zusammenhalt zu pflegen, dass gerade junge Menschen in einer Zeit, da sich ihr Identitätsgefühl entwickelt, sich zugehörig fühlen können und sozialen Halt finden. Präsident Ibrahim Olgun betont daher: „Wir müssen unsere Angebote für junge Menschen noch weiter ausbauen, Jugendarbeit fördern und so den Herausforderungen der Zeit begegnen!“

Galerie

Zufallsbild

Video Galerie

Zufallsbild

Download

Zufallsbild