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14.June.2017

Ansprache des Präsidenten der IGGÖ bei dem Deklarationsgipfel der Imame

 

Ansprache des Präsidenten der IGGÖ bei dem
Deklarationsgipfel der Imame
IZ Wien


Wien am Mittwoch, den 14. 06. 2017
 

 

 

Bismillahirrahmanirrahim
Im Namen Allahs, des Barmherzigen, des Allerbarmers



Sehr geehrte Vertreter der Medien und Nachrichtenagenturen,
Geschätzte Imame unserer IGGÖ, die aus verschiedenen Bundesländern heute hier sind,
Meine Damen und Herren,

Heute ist ein historischer Tag für unsere Glaubensgemeinschaft. Heute ist ein historischer Tag für unsere Imame. Heute ist ein historischer Tag für Österreich. Weil der heutige Tag wegen der Unterzeichnung der Deklaration der Imame der IGGÖ als ein besonderer Tag in die Geschichte Österreichs eingehen wird.

Ich freue mich sehr, dass heute von den verschiedensten Bundesländern unsere Imame, sogar fastend gekommen sind. So möchte ich insbesondere meinen aufrichtigen Dank an jeden unserer Imame für deren Teilnahme aussprechen, die als wichtiges Zeichen für den Frieden sowie für das friedliche Zusammenleben in Österreich verstanden werden soll. Denn heute haben unsere Imame noch einmal bewiesen, dass sie nicht nur mit ihren Worten gegen den Extremismus, gegen den Terror und Missbrauch unserer Religion stehen, sondern auch mit den Taten bezeugen.

Ich möchte nur einige wenige Worte an Sie als Oberster Imam der Muslime und Präsident der IGGÖ richten und einige Gedanken mit Ihnen teilen, bevor die Deklaration der Imame vorgelesen wird:

Leider bleiben uns auch in diesem gesegneten Monat viele schreckliche und abscheuliche Nachrichten nicht erspart. Wir Muslime in Österreich begehen den gesegneten Monat Ramadan hinter dem Schatten der grausamen Terroranschläge wie z.B in London, in Afghanistan und sind sehr besorgt und erschüttert darüber. Ob Syrien, Paris, Nizza, Istanbul, München, Manchester, Afghanistan oder zuletzt London, als IGGÖ verurteilten wir bis dato jeden einzelnen Terroranschlag. Bei jeder Gelegenheit – in all unseren Presseaussendungen, in den Moscheen oder in öffentlichen Erklärungen.

Bei der Mehrheitsgesellschaft kommt dies aber nicht ausreichend an. Das haben wir nun bemerkt. Die Mehrheit der Bevölkerung weiß nicht, dass wir als IGGÖ mit allen unseren Imamen, Seelsorgerinnen und Seelsorgern, Religionslehrerinnen und Religionslehrern und Moscheen auf der Seite des Friedens, der Demokratie, des Rechtstaats, der Menschenwürde und der Liebe zu allen Menschen sind.

Mit bedauern haben wir in den letzten Jahren immer wieder gesehen, dass die meisten Menschen nicht wissen, was der Islam wirklich ist – nämlich eine Religion des Friedens und nicht des Terrors. Eine Religion, die für Frieden steht, kann keine fundamentalistischen, extremistischen oder radikalen Züge haben.

Auf der anderen Seite sind wir Muslime auch besorgt, dass Terror -der keine Religion oder Ethnie oder Nationalität hat- und unsere friedliche Religion Islam in letzter Zeit immer wieder in Zusammenhang gebracht wurde und in Verbindung gebracht wird.

Um diesen Entwicklungen entgegen zu wirken und ein noch deutlicheres sichtbares Zeichen gegen Extremismus, Gewalt und Missbrauch unserer Religion zu setzen, sind wir sehr überzeugt als IGGÖ heute eine Deklaration mit allen unserer über 300 Imamen zu unterzeichnen, die sich dafür hier heute im Islamischen Zentrum auf der Wiener Donauinsel versammelt haben. Diese Initiative ist von den Imamen selbst ausgegangen.

Die Deklaration unserer Imame, die in den nächsten Tagen auch an Parlamentarier, die NGOs und den anderen Kirchen und Religionsgemeinschaften übermittelt wird, wird aber nicht die letzte Aktion dieser Art bleiben. Nach dem Sommer planen wir eine Menschenkette vom Islamischen Zentrum zur nächsten katholischen Pfarre.

In unserer Religion Islam steht der Schutz des Lebens, unabhängig der Ethnie, religiöse Zugehörigkeit, der Hautfarbe, der Nationalität im Mittelpunkt. Der Islam rechtfertigt niemals Krieg oder Terror. Jeder Terroranschlag ist auch gleichzeitig ein Anschlag auf die Werte des Islam und auf unser friedvolles Zusammenleben in Österreich.

In unserer Religion ist die Würde des Menschen unantastbar: Dies betonte der Prophet Muhammed folgendermaßen: „Wahrlich, euer Blut, euer Besitz und eure Ehre sind unantastbar.“

In unseren islamischen Quellen wird die Gleichstellung aller Menschen betont, welches auch der Prophet folgendermaßen erklärte:

„Gott ist Einer und euer Stammvater (Adam) ist einer. Ein Araber ist nicht besser als ein Nicht-Araber, und ein Nicht-Araber ist nicht besser als ein Araber, und ein hellhäutiger Mensch ist nicht besser als ein dunkelhäutiger Mensch und ein dunkelhäutiger Mensch ist nicht besser als ein hellhäutiger Mensch...“

Unser Prophet (sav) hat in einer seiner Aussage die ‎Aufmerksamkeit auch auf das Thema Sicherheit ‎gelenkt und Muslim wie ‎folgt definiert: “Der Muslim ist derjenige, vor ‎dessen Hand und Zunge die Menschen in ‎Sicherheit sind. Der Mu‘min ist derjenige, vor ‎dem das Leben und der Besitz der Menschen in ‎Sicherheit sind.”

Genau das sind die Grundprinzipien der islamischen Religion, auf das sich unsere Glaubensgemeinschaft und alle unserer Imame stützen.

Viel zu sehr wird im Namen des Glaubens großes Unheil angerichtet und der Glaube beschmutzt. 

Wir werden – wie es unser Glaube gebietet – Toleranz und Liebe predigen und unser Verhalten am vorbildhaften Leben unseres Propheten messen. Dies meine Damen und Herren ist kein Hindernis für ein zeitgemäßes Leben. Denn Liebe zu Gott und zu seinen Geschöpfen ist unvergänglich und zeitlos.

Ich bin sehr zuversichtlich, dass wir als Islamische Glaubensgemeinschaft, mit allen unseren Imamen, Lehrerinnen und Lehrern, Seelsorgerinnen und Seelsorgern weiterhin einen wichtigen Beitrag zum friedlichen Zusammenleben aller Menschen in Österreich leisten werden.
 Dieser Beitrag wird umso größer sein, als wir im Schulterschluss gemeinsam mit anderen Kirchen und Religionsgesellschaften, mit allen Konfessionen, sei es Christen, Juden, Muslime oder Buddisten etc an einem Strang ziehen und den Hetzern keine Chance lassen. Im Sinne des Islamischen Dichters Yunus Emre werden wir aus Liebe zum Schöpfer die Menschen als seine Geschöpfe lieben - Alle Menschen, von denen Allah im Koran sagt: “Und wir haben die Kinder Adams mit Würde begabt.”. Menschenwürde ist völlig unabhängig von Herkunft, Geschlecht oder Religionszugehörigkeit. 

In diesem Sinne danke ich Ihnen für das Kommen und für Ihre Aufmerksamkeit. Möge Allah die gesamte Menschheit vor jeder Art des Extremismus, der Gewalt, Hass, Hetze und des Terrors schützen. Amin!


Ibrahim Olgun
Präsident der IGGÖ

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