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06.January.2017

Kopftuchverbot im öffentlichen Dienst ist anti-integrativ

 Die Forderung von BM Kurz nach einem Kopftuchverbot im öffentlichen Dienst wird von der Islamischen Glaubensgemeinschaft als anti-integrativ und diskriminierend aus schärfste zurückgewiesen.

„Wir appellieren dringend, diesen Vorstoß zurück zu nehmen, der einer weiteren Zusammenarbeit zwischen der IGGÖ und dem Integrationsministerium den Boden unter den Füßen zu entziehen droht. Aus dem geplanten Integrationspaket würde sonst ein Diskriminierungspaket.“, so der Präsident der Islamischen Glaubensgemeinschaft Ibrahim Olgun.

Die Stimmung gegen Musliminnen und Muslime ist durch Terroranschläge schwer belastet. Es wäre fatal, wollte man Unsicherheit und Ängste nun ausgerechnet auf dem Rücken von muslimischen Frauen austragen. Will man gerade die emanzipierten und gebildeten Frauen vor den Kopf stoßen und sie in die Küche zurück drängen? Bedienstete des öffentlichen Dienstes haben eine positive Grundeinstellung zum Staat nicht nur verinnerlicht, sondern sind Multiplikatorinnen der Rechtsstaatlichkeit und Loyalität zu Österreich. Kopftuchtragenden Musliminnen will man die Eignung für genau diesen äußerst positiven Beitrag prinzipiell absprechen? Das ist ein Signal in die völlig falsche Richtung!

Seit 2004 besteht in Österreich ein Diskriminierungsverbot am Arbeitsplatz, das auch das Kriterium der Religion einschließt. Daher ist es einem potentiellen Arbeitgeber verboten, einer Bewerberin aufgrund ihres Kopftuchs eine Anstellung zu verweigern. Gerade der Staat selbst sollte mit gutem Beispiel vorangehen und mit seiner Einstellungspolitik die Vielfalt der Gesellschaft abbilden und bestehende Ressentiments gegen Minderheiten abbauen helfen.

Längst ist bekannt, dass die Partizipation im Berufsleben ein Schlüssel für die gelungene Integration ist. Bestens ausgebildete Musliminnen der zweiten und dritten Generation, die schon jetzt in Berufen mit höherer Qualifikation arbeiten, brechen Vorurteile auf und leisten über ihre eigentliche Arbeit hinaus einen wertvollen Beitrag für ein respektvolles Zusammenleben. Sie fungieren auch als eine Art „role model“, indem sie gegen verkrustete patriarchale Denkmuster als selbstbestimmte und erfolgreiche Frauen angehen.

Das Islamgesetz von 2015 stieß auf Skepsis seitens vieler Musliminnen und Muslime. Seitens  der Politik, gerade von BM Kurz, wurde dagegen immer wieder betont, es gehe auch um eine Sicherung von Rechten. Nun aber steht er im Begriff, gerade jene Frauen, die besonders prädestiniert sind, ein Zeichen für die im Islamgesetz formulierte „positive Grundeinstellung zum Staat“ zu setzen, ins Aus zu schicken und ihnen ihr Recht auf Partizipation zu nehmen.

Damit greift er auch die Religionsfreiheit an, vor allem wenn er eindeutig mit doppelten Standards arbeitet, und er Kreuze in öffentlichen Gebäuden wie Schulen unberührt von seinem Vorstoß sieht. In diesem Zusammenhang hat sich die IGGÖ immer für die Sichtbarkeit von Religion in der Schule – also auch für die Kreuze – ausgesprochen. So können Kinder und Jugendliche zu einem entspannten und selbstverständlichen respektvollen Umgang mit religiösem Pluralismus finden.

Zuletzt sei daran erinnert, dass sich im Rahmen des Präsidentschaftswahlkampfes alle Kandidaten mit Ausnahme Norbert Hofers vorstellen konnten, eine Ministerin mit Kopftuch anzugeloben.



Rückfragehinweis
Carla Amina Baghajati
Frauenbeauftragte der IGGÖ
Mobil 06991 2381075
baghajati@aon.at

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